Magen OP bei extrem übergewichtigen Jugendlichen mit Typ 2 Diabetes?
12.03.2009 Der Typ 2 Diabetes wurde bis vor einiger Zeit als eine Stoffwechselstörung der Erwachsenen angesehen. Mittlerweile tritt er aber auch bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger auf und ist, wie bei Erwachsenen, oft eine Folge von Übergewicht und Bewegungsarmut.
In den USA wurde in den letzten 20 Jahren ein mehr als 10-facher Anstieg der Häufigkeit bei Kindern und Jugendlichen beobachtet.
Für die Behandlung ist eine Lebensstiländerung mit Gewichtsabnahme das erste Mittel der Wahl. Falls dies nicht zum Erfolg führt, werden auch blutzuckersenkende Medikamente und Insulin eingesetzt. Bei stark übergewichtigen Erwachsenen mit einem Body Mass Index (BMI) über 40 und Typ 2 Diabetes wird mittlerweile als letztes Mittel der Wahl eine operative Verkleinerung des Magens empfohlen. In Studien wurde gezeigt, dass dies zu einem signifikanten und nachhaltigen Gewichtsverlust und zu einer Rückkehr in eine normale Stoffwechsellage führen kann.
An fünf Universitätskliniken in den USA wurde diese Methode jetzt zum ersten Mal an 11 Jugendlichen mit extremem Übergewicht und Typ 2 Diabetes angewendet. Die Jugendlichen hatten ein durchschnittliches Gewicht von 149 kg (113 – 184 kg) und einen durchschnitlichen BMI von 50 (43 – 63). Alle wurden mit blutzuckersenkenden Medikamenten und ein Patient zusätzlich mit Insulin behandelt.
Bei allen Patienten wurde eine operative Magenverkleinerung (Roux-en-Y-Magenbypass-Operation) durchgeführt. Dabei wird der Magen verkleinert und mit dem Dünndarm verbunden, was zu einer raschen Sättigung, zu einer Einschränkung der Nahrungsaufnahme und zu einer Gewichtsabnahme führt. Die Operation wurde von allen Patienten gut toleriert und es wurden keine intra- und postoperativen Komplikationen berichtet. Nur ein Patient musste wegen Dehydrierung erneut ins Krankenhaus aufgenommen werden.
Die Patienten wurden dann ein Jahr lang nachbeobachtet. Bei der abschließenden Untersuchung wurde folgendes gefunden:
Diese Ergebnisse wurden nachträglich mit einer Gruppe von 67 übergewichtigen Jugendlichen verglichen, die Typ 2 Diabetes hatten und mit der Standardtherapie (Lebensstilmodifikation und Medikamente) behandelt wurden. Bei diesen Jugendlichen wurden im Laufe eines Jahres kein signifikanter Gewichtsverlust und keine signifikannte Verbesserung der Stoffwechsellage erzielt.
Die Risiken des Typ 2 Diabetes rechtfertigen nach Ansicht der US-Chirurgen in Einzelfällen eine Operation. Generell kann dies aber nicht für alle übergewichtigen Jugendlichen mit Typ 2 Diabetes empfohlen werden. Bisher wurden nur wenige Patienten mit extremem Übergewicht behandelt und langfristige Komplikationen der Operation sind nicht ausgeschlossen. Auch die Zufriedenheit und Lebensqualität der Patienten nach dem chirurgischen Eingriff wurde nicht untersucht.
Fazit: Es konnte in einigen Fällen gezeigt werden, dass auch bei Jugendlichen mit extremen Übergewicht und Typ 2 Diabetes eine chirurgische Magenverkleinerung zu Gewichtsreduktion und Blutzuckernormalisierung führen kann. Langzeitdaten zur Effektivität und Sicherheit dieser Eingriffe bei Jugendlichen fehlen allerdings noch.
Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de
Quelle: Inge T, Miyano G, Bean J et al. Reversal of Type 2 Diabetes Mellitus and Improvements in Cardiovascular Risk Factors After Surgical Weight Loss in Adolescents. Pediatrics, Volume 123, Number 1, January 2009, 214-220
Hier geht es zum Expertenkommentar (Prof. Hamann, Bad Nauheim)