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Prävention des Typ 2-Diabetes durch Pioglitazon?

17.05.2011 Ein Vorstadium des Diabetes mellitus ist die sogenannte gestörte Glukosetoleranz. Die Frage ist, ob und wie das Fortschreiten hin zum Diabetes mit all seinen Komplikationen verhindert werden kann.

Forscher aus den USA haben bei etwa 600 Personen untersucht, ob das Fortschreiten einer gestörten Glukosetoleranz hin zum Diabetes durch die Gabe von Pioglitazon (Actos®) (30 bis 45 mg pro Tag) im Vergleich zu Placebo verhindert werden kann.
Über einen Verlauf von durchschnittlich 2,4 Jahren entwickelte sich ein Diabetes bei 15 von 303 mit Pioglitazon behandelten Personen (5,0%) und in der Placebo-Gruppe bei 50 von 299 Personen (16,7%). Die mit Pioglitazon behandelten Personen nahmen allerdings mehr an Gewicht zu, als die Placebo-Gruppe. Patienten, die mit Pioglitazon behandelt wurden, hatten auch häufiger Ödeme (12,9%) als unter Placebo (6,4%).

Kommentar: In drei großen Placebo-kontrollierten Studien war bereits gezeigt worden, dass eine Lebensstil-Umstellung mit Diät und vermehrter körperlicher Aktivität höchst effektiv ist, um das Fortschreiten von einer gestörten Glukosetoleranz hin zum Diabetes zu verhindern. Dabei betrug der Effekt einer intensiven Lebensstil-Intervention knapp 60%. Mit dem Medikament Metformin war eine solche Prävention nur in 30%, also halb so häufig zu erreichen.

Die hier vorgelegte Studie mit Pioglitazon (Actos®) zeigt deutlich stärkere Effekte, als mit Metformin und übertrifft sogar die Effekte der Lebensstil-Intervention. Ein Begleit-Effekt war zusätzlich noch eine leichte Blutdruck-Senkung, ein Anstieg des günstigen Lipoproteins HDL-Cholesterin und eine Reduktion der Intima -Media-Dicke der hirnzuführenden Arterien, was als vorteilhaft zu werten ist.

Wie wir wissen, sind nicht alle Menschen einer Lebensstil-Umstellung zugängig, so dass die Ergebnisse der vorliegenden Studie sehr ermutigend sind. Wenn der Diabetes verhindert wird, so kann man damit auch die Komplikationen des Diabetes verhindern. Eine medikamentöse Prävention mit Pioglitazon wird aber auch Nebenwirkungen verursachen und ist daher für einen bevölkerungsweiten Einsatz zur Verhinderung des Diabetes nicht geeignet.

Autor: Prof. Dr. med. W.A. Scherbaum, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf

Quelle:  DeFronzo R. A. et al: Pioglitazone for Diabetes Prevention in Impaired Glucose Tolerance,

N Engl J Med 364: 1104-1115, 2011

 

Siehe auch:

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