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Stammzelltherapie

Derzeit wird intensiv nach Möglichkeiten geforscht, die körpereigene Insulinproduktion beim Diabetiker durch den Ersatz der zerstörten Zellen in der Bauchspeicheldrüse wieder herzustellen. Große Hoffnungen werden dabei auf die Stammzelltherapie gesetzt.

Stammzellen sind die Vorläufer der spezialisierten Zellen des Körpers wie zum Beispiel Blutzellen, Zellen der Immunabwehr, Hautzellen, Leberzellen oder auch ganze Organe, wie z. B. Pankreasinseln. Mit anderen Worten: Stammzellen sind Körperzellen, die noch nicht voll entwickelt sind. Sie haben das Potenzial, sich in verschiedene Zellrichtungen zu differenzieren.

Die Arbeit mit Stammzellen ist ein noch relativ junges Forschungsgebiet. Bringt man geeignete Vorläuferzellen in kranke Gewebe und Organe ein, können sich vor Ort wieder neue gesunde Zellen bilden, die dann ihre spezialisierten Aufgaben wahrnehmen – zum Beispiel die Herstellung von Insulin in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Der Mechanismus, wie sich diese Zellen in andere Gewebe umwandeln, ist bisher allerdings nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Stammzelle vom umliegenden Gewebe so beeinflusst wird, dass sie sich aufgrund dieser „Prägung“ zu einer Zelle mit spezialisierten Aufgaben weiterentwickelt.

Durch den Einsatz von Stammzellen erhofft man sich für die Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten bei einer ganzen Reihe von Krankheiten. Im Mittelpunkt der Forschungsbemühungen stehen unter anderem Morbus Parkinson, Diabetes mellitus und die Alzheimer-Erkrankung.

In einer im Jahr 2007 veröffentlichten Studie haben Genetikforscher diabetischen Mäusen so genannte mesenchymale Stammzellen aus dem Knochenmark von Menschen gespritzt. Mesenchymzellen sind Vorläuferzellen mit einer hohen Teilungsfähigkeit, die sich in unterschiedlichste Zellen und Gewebe differenzieren können wie zum Beispiel in Knochen, Sehnen, Muskeln, Blutzellen oder Gefäße. Neben dem Knochenmark lassen sich solche mesenchymalen Stammzellen auch aus dem Nabelschnurblut von Neugeborenen gewinnen.  Drei Wochen, nachdem die diabetischen Mäuse die Vorläuferzellen aus dem Knochenmark von Menschen erhalten hatten, wurden die Tiere untersucht. Das Ergebnis: In der Bauchspeicheldrüse war die Zahl der Betazellen deutlich angestiegen und die Blutzuckerwerte der Mäuse hatten sich entsprechend verbessert. Die verabreichten Stammzellen hatten offenbar bewirkt, dass geschädigte bzw. untergegangene Betazellen durch neue gesunde insulinproduzierende Zellen ersetzt wurden (Lee RH, Seo MJ, Reger RL et al. Proc Natl Acad Sci USA 2006; 103: 17438-43).

Eine im Jahr 2007 veröffentlichte kleine Pilotstudie konnte erstmals auch Erfolge einer Stammzelltherapie bei Menschen zeigen, die mit eigenen Stammzellen aus dem Knochenmark behandelt wurden. Bei 14 von 15 neu diagnostizierten Typ 1 Diabetikern schlug die Stammzelltherapie an: Bereits nach wenigen Tagen kamen die 14- bis 31-Jährigen ohne ihre täglichen Insulingaben aus. (Voltarelli JC, Couri CE, Stracieri AB. JAMA. 2007; 297: 1568-1576).

Ob und wie lange dieser Erfolg anhält, welche Patienten geeignet sind und welche Nebenwirkungen auftreten können, müssen nun weitere, größere Untersuchungen klären. Langfristig bestehen aber berechtigte Hoffnungen, dass diese Methode in der Zukunft für die Behandlung des bisher nicht heilbaren Typ 1 Diabetes eingesetzt werden kann.


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