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Kalorienreduktion hilft dem Herzen

(07.11.2008) Neben einem gestörten Zuckerstoffwechsel weisen Typ 2 Diabetiker häufig auch ungünstig veränderte Blutfettwerte auf. Ein Beispiel ist die Überhöhung der Triglyzeride. Eine mögliche Folge: Die Fette lagern sich in der Herzmuskulatur ab und beeinträchtigen die Funktion des Herzens. Wissenschaftler haben jetzt eine interessante Beobachtung gemacht: Mit Hilfe einer stark kalorienreduzierten Diät lassen sich Triglyzerid-Einlagerungen wieder rückgängig machen – das Resultat ist eine verbesserte Herzfunktion.

Herz (anatomisch)
Kalorienreduzierte
Ernährung kann die
Herzfunktion wieder
verbessern

Triglyzeride gehören wie das Cholesterin in die Gruppe der Nahrungsfette. Im Körper dienen sie als Energiespeicher im Fettgewebe. Sind die Spiegel im Blut allerdings zu hoch – zum Beispiel bei übermäßiger Triglyzeridaufnahme mit der Nahrung – begünstigen sie die frühzeitige Verkalkung in den Gefäßen (Arteriosklerose) und führen durch übermäßige Ablagerung unter Umständen zu Störungen der diastolischen Herzfunktion. Hierunter versteht man die Erschlaffungsfähigkeit des Herzmuskels, die dazu dient, dass sich die Herzkammern wieder neu mit Blut füllen können.

Wissenschaftler um Sebastiaan Hammer von der Leiden Universität in den Niederlanden haben ein interessantes Experiment zum Thema Ernährung, Triglyzeride und diastolische Herzfunktion durchführt. An der kleinen Studie nahmen 12 Versuchpersonen mit einem insulinbehandelten Typ 2 Diabetes teil. Die stark übergewichtigen Diabetiker unterzogen sich einer 16-wöchigen Diät (Modifast) mit nur 450 kcal pro Tag. Die Insulinbehandlung wurde während dieser Zeit komplett abgesetzt. Vor und nach den 16 Diät-Wochen bestimmten Hammer und sein Team den durchschnittlichen Triglyzeridgehalt in der Herzmuskulatur. Eine solche Messung ist heutzutage für Studienzwecke mit dem technischen Verfahren der Magnetresonanz-Spektrographie möglich. Letzteres macht die chemische Zusammensetzung von Geweben sichtbar.

Erwartungsgemäß zeigte sich unter der kalorienreduzierten Diät eine deutliche Abnahme des Body Mass Index von vorher 35,6 auf „nur“ noch 27,5 kg/m2. Parallel verbesserte sich der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c, von im Mittel 7,9 auf 6,3 %. Für die Wissenschaftler (und die Betroffenen) sicherlich das interessanteste Ergebnis: Der Triglyzeridanteil im Herzmuskel ging ebenfalls deutlich zurück, von vorher durchschnittlich 0,88 % auf 0,64 %. (p = 0,019). Mit der Abnahme der Triglyzeride im Gewebe verbesserte sich auch die diastolische Funktion des Herzens, die hier als Verhältnis von früher (passiver) zu später (atrialer) Füllungsphase gemessen wurde.


Hammer und seine Kollegen ziehen aus ihrer Studie zwei wichtige Schlussfolgerungen. Zum einen beeinträchtigen überhöhte Triglyzeridspiegel tatsächlich die diastolische Herzfunktion durch Einlagerungen im Herzmuskel. Die positive Nachricht: Über eine konsequente kalorienreduzierte Ernährung lassen sich die gefährlichen Einlagerungen teilweise wieder rückgängig machen. Die Studienautoren halten es außerdem für möglich, dass die Quantifizierung der Triglyzerid-Depots im Herzmuskel in der Zukunft als Marker dienen könnte, um das Risiko einer diastolischen Herzinsuffizienz genauer zu bestimmen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Hammer S, Snel M, Lamb HJ, et al. Prolonged caloric restriction in obese patients with type 2 diabetes mellitus decreases myocardial triglyceride content and improves myocardial function. J Am Coll Cardiol 2008; 52: 1006-12

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