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Begünstigen Erkrankungen des Zahnhalteapparates die Entstehung eines Diabetes?

(24.09.2008) Der Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparates) und Typ 2 Diabetes ist schon lange bekannt und gut dokumentiert. Erkrankungen des Zahnhalteapparates wurden bisher  fast ausschließlich als pathologische Konsequenz eines Typ 2 Diabetes betrachtet. Die vorliegende Studie soll zeigen, inwieweit eine Parodontalerkrankung einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung eines Diabetes Typ 2 darstellt.

Zahnpflege vor dem Spiegel
Foto: Techniker Krankenkasse

Insgesamt wurden 9296 Männer und Frauen ohne Diabetes im Alter von 25 - 74 Jahren über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht. Bei sämtlichen Teilnehmern wurde zu Beginn ein zahnärztlicher Untersuchungsstatus erhoben. Es wurden insgesamt sechs Kategorien der Parodontalerkrankungen mit Hilfe des „Peridontal Index“ definiert, welcher zur Beurteilung des parodontalen Zustandes dient. Von 7168 bezahnten Teilnehmern wiesen 47 Prozent zu Beginn der Studie keinerlei Parodontalerkrankungen auf (Peridontal Index = 0).  Die verbliebenen Teilnehmer konnten den verschiedenen Indizes zugeordnet werden.

Mittels Odds ratio, dem Quotenverhältnis, welches die Stärke des Zusammenhanges zwischen Parodontalerkrankungen und Diabetes beschreibt, wurde die unterschiedliche Schwere der Parodontalerkrankungen mit dem Auftreten eines Diabetes verglichen. Man fand heraus, dass Studienteilnehmer mit schwereren Formen (Peridontal Index 3-5) etwa zweimal häufiger einen Typ 2 Diabetes entwickelten [Odds ratio 2.26 (95 % CI 1.56-3.27), 1.71 (1.0-2.69), und 1.50 (0.99-2.27)].

Bei Teilnehmern, welche einen totalen Zahnverlust erlitten haben, betrug die Odds ratio 1,30 (1.00 –1.70), welches für einen geringeren Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und Diabetes spricht. Als mögliche Ursache wird die Entfernung der Entzündungsquelle diskutiert, welche mit dem Zahnverlust einhergeht. Teilnehmer, welche im Vergleich hierzu an fortgeschrittenem Zahnverlust litten, wiesen eine Odds ratio von 1,70 (p < 0,05) auf; hier wurde der Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und Diabetes deutlicher.

Das Fazit der Wissenschaftler:
Die vorliegenden Ergebnisse weisen darauf hin, dass Parodontalerkrankungen einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes darstellen. Die Autoren postulieren, dass diesem Entwicklungsprozess ein gemeinsamer Stoffwechselweg, nämlich ein chronisches Entzündungsgeschehen zugrunde liegen könnte.  Jedoch werden weitere Untersuchungen notwendig sein, die diese Zusammenhänge sichern.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Demmer et al. Periodontal Disease and Incident Type 2 Diabetes. Diabetes Care 31:1373–1379, 2008.

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