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Männer mit langjährigem Diabetes haben niedrigere PSA-Spiegel

(10.01.2007) Ab und zu gibt es auch „gute“ Nachrichten für Diabetes-Betroffene: Eine Reihe von Studien weisen darauf hin, dass Männer mit einem Typ 2 Diabetes seltener vom häufigen Prostatakrebs betroffen sind als Männer ohne Diabeteserkrankung. Dies scheint sich vor allem zu bestätigen, wenn der Diabetes seit mindestens 10 Jahren oder länger vorliegt.


Foto: DAK/van den Berg

Wissenschaftler der Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta, USA, haben dieses Phänomen in einer eigenen Studie genauer untersucht. Das Team um Mona Saraiya analysierte Daten einer großen US-amerikanischen Bevölkerungsstichprobe aus dem National Health and Nutrition Examination Survey 2001-2002. Im Mittelpunkt stand die Datenauswertung von Blutuntersuchungen, bei denen auch der so genannte PSA-Wert bestimmt und dokumentiert wurde. PSA, mit vollem Namen prostataspezifisches Antigen, ist ein Eiweiß, das beim Mann in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Im Blut kommt PSA normalerweise nur in ganz geringen Mengen vor. Dies ändert sich bei Erkrankungen der auch Vorsteherdrüse genannten Prostata. Klassischerweise sind die PSA-Spiegel im Blut bei bösartigen Veränderungen der Prostata erhöht. Entsprechend wird das prostataspezifische Antigen für ein Screening auf Prostatakrebs eingesetzt. Allerdings muss ein hoher PSA-Wert nicht immer gleichbedeutend sein mit einer bösartigen Veränderung: In vielen Fällen kann nach der sich anschließenden Gewebeentnahme Entwarnung gegeben werden, das heißt, hohe PSA-Werte sind zwar ein wichtiger Hinweis, aber kein Beweis für Prostatakrebs.

Für ihre Untersuchung verglichen Saraiya und ihre Kollegen die PSA-Werte von Typ 2 Diabetikern mit denen von Männern ohne Diabeteserkrankung. Um das Vorliegen einer Zuckerkrankheit auszuschließen, wurde bei allen Personen ohne bekannten Diabetes zusätzlich der Wert für die Nüchtern-Plasma-Glukose kontrolliert. Das Ergebnis: Nach dem Herausrechnen anderer möglicher Risikofaktoren für Prostatakrebs ergab sich tatsächlich ein deutlicher Zusammenhang zwischen den PSA-Blutspiegeln und dem Vorhandensein oder Fehlen einer Diabeteserkrankung. Bei Männern mit Typ 2 Diabetes war der PSA-Wert im Durchschnitt um 21,6 Prozent niedriger als bei ihren nicht-diabetischen Altersgenossen. Diabetiker, bei denen die Erkrankung seit mindestens 10 Jahren bekannt war, zeigten sogar noch viel niedrigere PSA-Spiegel – hier betrug die durchschnittliche Reduktion im Vergleich immerhin 27,5 Prozent. Die niedrigsten Werte hatten übergewichtige Männer mit langjährigem Diabetes (= Diabetesdauer mehr als 10 Jahre): Gegenüber gleichaltrigen, normalgewichtigen Nicht-Diabetikern lag das PSA im Mittel um 40,8 Prozent niedriger.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler lassen vermuten, dass Männer mit einer langjährigen Typ 2 Diabeteserkrankung ein geringeres Risiko für Prostatakrebs haben. Bisher ist allerdings nicht geklärt, ob die niedrigen PSA-Spiegel auch tatsächlich mit einer geringeren Krebs-Häufigkeit einhergehen. Es wäre ebenfalls denkbar, dass sich die PSA-Werte bei Diabetikern unabhängig vom Risiko für Prostatakrebs verändern. In diesem Fall ergäbe sich sogar ein Nachteil für den Diabetiker: Er würde beim PSA-Screening nicht auffallen, wodurch die bösartige Erkrankung dann unter Umständen (zu) spät erkannt würde. Bisher gehen die Wissenschaftler allerdings davon aus, dass ein langjähriger Diabetes die Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs tatsächlich senkt. In weiteren Untersuchungen muss nun geklärt werden, was sich genau hinter den unterschiedlichen PSA-Spiegeln verbirgt.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Werny DM, Saraiya M, Gregg EW. Prostate-specific antigen values in diabetic and nondiabetic US men, 2001-2002. Am J Epidemiol 2006; 164: 978-83

 

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