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Kinder mit Typ 1 Diabetes: Gute BZ-Einstellung verhindert Nierenschäden

(19.05.2008) Ein Drittel aller Patienten in Deutschland, die sich regelmäßig einer künstlichen Blutwäsche (Dialyse) unterziehen müssen, sind Diabetiker: Durch langjährig überhöhte Blutzuckerspiegel werden die Nieren geschädigt und es entwickelt sich eine diabetische Nephropathie. Wissenschaftler aus Großbritannien haben bei Kindern mit Typ 1 Diabetes untersucht, wie viele der jungen Patienten bereits Hinweise auf eine beginnende Nierenerkrankung zeigen und in welchem Ausmaß die Nierenschädigung hier fortschreitet.

Kinder spielen auf dem Baum

Insgesamt 527 Kinder mit einem Typ 1 Diabetes nahmen an der Studie teil. Das Durchschnittsalter der Kinder zu Untersuchungsbeginn betrug knapp 9 Jahre (8,8 + 4,0 Jahre). Studienleiter Rakesh Amin von der Universität Cambridge und seine Kollegen beobachteten die Kinder über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren. Ziel war es, herauszufinden, wie viele der Kinder und Jugendlichen nach etwa 10- bis 19-jähriger Diabetesdauer bereits Nierenschäden entwickeln und welchen Einfluss die Blutzuckereinstellung hierauf hat. Um Hinweise auf eine beginnende oder fortgeschrittene Nierenerkrankung zu erhalten, untersuchten die Wissenschaftler das Vorliegen einer so genannten Mikroalbuminurie bzw. Makroalbuminurie.

Bei der diabetischen Nierenerkrankung (= diabetische Nephropathie) wird das Nierengewebe geschädigt und es kommt zu Einschränkungen der Nierenfunktion. Von der Gewebeschädigung ist auch das empfindliche Filtersystem der Niere betroffen, das durchlässiger wird für das im Blut befindliche Eiweiß Albumin, so dass dieses in den Urin gelangen kann. Zunächst wird Albumin in ganz geringen Mengen mit dem Urin ausgeschieden, man spricht deshalb von einer Mikroalbuminurie. Wenn die Mikroalbuminurie anhält und die schädigenden Einflüsse auf die Niere nicht korrigiert werden, wird die Menge an Eiweiß im Urin größer. Wird die kritische Grenze von täglich 300 mg Albumin im Urin überschritten, liegt eine Makroalbuminurie vor. Die Makroalbuminurie deutet darauf hin, dass die Nierenfilter bereits schwer geschädigt sind. Darüber hinaus ist die Mikro- bzw. Makroalbuminurie auch ein Hinweis auf eine erhöhte Gefährdung für Gefäßschäden und Herzkreislauferkrankungen.

Die Untersuchung der 527 Kinder – bzw. später Jugendlichen und jungen Erwachsenen – zeigte folgende Ergebnisse: Nach 10-jähriger Diabetesdauer wies bereits jeder vierte Typ 1 Diabetiker (25,7 %) eine Mikroalbuminurie auf. Dieser Anteil erhöhte sich auf über 50 Prozent (50,7 %) nach einer Diabetesdauer von 19 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt zeigten rund 14 Prozent der Studienteilnehmer eine Makroalbuminurie als Zeichen für eine fortgeschrittene Nierenschädigung.

Die Wissenschaftler konnten einen engen Zusammenhang zwischen der Güte der Blutzuckereinstellung – gemessen am Blutzuckerlangzeitwert HbA1c – und der Nierenschädigung nachweisen: Je besser der Zuckerstoffwechsel bei den Kindern eingestellt war, umso geringer lag die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Mikroalbuminurie. Für den Blutdruck und das Rauchen, die ebenfalls wichtige Risikofaktoren für die diabetische Nephropathie beim Erwachsenen sind, konnte bei den diabetischen Kindern und Jugendlichen hingegen kein Einfluss auf die Nierenschädigung festgestellt werden.

Die diabetische Nephropathie entwickelt sich schleichend über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Ist die Nephropathie bereits sehr weit fortgeschritten, lassen sich ein drohendes Nierenversagen und die Dialyse meist nicht mehr vermeiden. Damit es nicht soweit kommt, ist es wichtig, eine Nierenschädigung so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass Kinder mit Typ 1 Diabetes bereits im sehr frühen Erwachsenenalter von einer Nierenerkrankung betroffen sein können – ein weiterer Grund dafür, sich konsequent um eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung zu bemühen. Außerdem: Wird die Nephropathie in einem sehr frühen Stadium entdeckt, können sich die krankhaften Veränderungen mit einer konsequenten Stoffwechselkontrolle unter Umständen sogar wieder vollständig zurückbilden.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Amin R, Widmer B, Prevost AT et al. Risk of microalbuminuria and progression to macroalbuminuria in a cohort with childhood onset type 1 diabetes: prospective observational study. BMJ 2008; 336: 697-701

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