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Taille-Hüft-Umfang aussagekräftiger als BMI?

(13.02.2008) Übergewicht und ein hoher Bauchumfang sind wichtige Vorhersageparameter für zukünftige Herz-Kreislauf-Ereignisse. Daten der EPIC-NORFOLK-Studie (European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition Study) haben jetzt bestätigt, dass der Bauch- im Verhältnis zum Hüftumfang (kurz: Taille-Hüft-Umfang) für die Risikoeinschätzung gut geeignet ist.

Der Taille-Hüft-Umfang ist ein Vorhersageparameter für das Herz-Kreislauf-Risiko
Der Taille-Hüft-Umfang ist ein
Vorhersageparameter für das
Herz-Kreislauf-Risiko

Vor allem Menschen mit einem Typ 2 Diabetes sind oft von Übergewicht betroffen – im Mittelpunkt stehen hier besonders die überflüssigen Pfunde im Bauchbereich. Diese Patienten gehören zur Hochrisikogruppe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine große multizentrische Kohortenstudie hat untersucht, welcher Wert das Risiko für ein zukünftiges Herz-Kreislauf-Ereignis genauer vorhersagt: der Taille-Hüft-Umfang oder der Body Mass Index (BMI).

Wissenschaftler um Dexter Canoy verfolgten über fast zehn Jahre die Krankengeschichte von 24.508 Frauen und Männern. Beim Start der Studie waren die Teilnehmer zwischen 45 und 79 Jahre alt. Während der folgenden Beobachtungszeit wurden alle koronaren Ereignisse erfasst, d. h. alle Herz-Kreislauf-Ereignisse, denen eine Arteriosklerose der Herz-Kranzgefäße (KHK, koronare Herzkrankheit) zugrunde lag. Insgesamt 1.708 Männer und 892 Frauen entwickelten in diesem Zeitraum eine koronare Herzerkrankung.

Canoy und seine Kollegen verglichen den Taille-Hüft-Umfang zu Untersuchungsbeginn mit dem späteren Auftreten koronarer Ereignisse (z. B. tödlicher oder nicht-tödlicher Herzinfarkt). Das Ergebnis: Der Taille-Hüft-Umfang zeigte sich als unabhängiger Vorhersageparameter für die Herz-Kreislaufgefährdung. Selbst nachdem andere Risiken wie Rauchen, ein bewegungsarmer Lebensstil, Bluthochdruck, ein zu hoher Body Mass Index und ungünstige Blutfettwerte aus den Ergebnissen herausgerechnet wurden, blieb der Taille-Hüft-Umfang ein zuverlässiger Vorhersageparameter für spätere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Je größer der Taille-Hüft-Umfang zu Studienbeginn war (= Bauchumfang dividiert durch Hüftumfang), umso höher lag die Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung in den Folgejahren.

Nur der Bauchumfang für sich genommen spiegelte ebenfalls die Gefährdung von Herz und Gefäßen wider. Allerdings war die Genauigkeit beim Einschätzen des Herz-Kreislauf-Risikos größer, wenn der Bauchumfang in Bezug zum Hüftumfang gesetzt wurde. Mit dem Body Mass Index hingegen, der das Gesamtkörpergewicht in Bezug zur Körperlänge angibt, ließen sich koronarer Ereignisse deutlich weniger zuverlässig vorhersagen. Zu ähnlichen Ergebnisse waren in der Vergangenheit auch Analysen der „Dallas Heart Study“ und der „Interheart Study“ gekommen.

Ein weiteres interessantes Detail hat die Studie für die unterschiedliche Gefährdung von Männern und Frauen geliefert. Bei übergewichtigen Männern mit einem geringeren (und damit günstigeren) Taillen-Hüft-Umfang war das Herz-Kreislauf-Risiko nur leicht reduziert gegenüber einer Kontrollgruppe mit höherem Taille-Hüft-Umfang. Bei den Frauen hingegen machte sich der Unterschied sehr viel deutlicher bemerkbar: Ein größerer Taille-Hüft-Umfang war hier immer mit einem deutlich erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden – egal, ob gleichzeitig Übergewicht vorlag oder nicht.

Die Autoren der Studie betonen, dass der Body Mass Index weiterhin von Bedeutung ist, um Übergewicht beurteilen und einstufen zu können. Allerdings sollte bei der Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos auch der Bauchumfang bzw. noch besser der Taille-Hüft-Umfang stärker berücksichtigt werden.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Canoy D, Boekholdt SM, Wareham N, et al. Body fat distribution and risk of coronary heart disease in men and women in the European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition in Norfolk Cohort. A population-based prospective study. Circulation 2007; 116: 2933-2943

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