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Trends in Diabeteshäufigkeit und ambulanter Diabetesversorgung

(14.12.2007) Der bekannte und hinreichend publizierte Trend der rapiden Zunahme der Diabeteserkrankungen in Deutschland wird durch eine neuerliche Studie des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München bestätigt und konkretisiert. Bei der Studie handelt es sich um eine rückblickende Analyse von Routinedaten einer 18,75 %-Zufallsstichprobe aller Versicherten der AOK Hessen von 1998 bis 2004.

Menschenmenge
Foto:Nadine Haider, DRK Berlin

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie zu Diabeteshäufigkeit, Therapieart, Laboruntersuchungen und Augenuntersuchungen sind:

Diabeteshäufigkeit
  • Standardisiert auf die deutsche Bevölkerung stieg die Häufigkeit des diagnostizierten Diabetes von 5,9 % im Jahr 1998 auf 7,9 % im Jahr 2004, was einer Zuahme von 33 % entspricht. Dabei nahm die Häufigkeit in allen Altersgruppen zu, am ausgeprägtesten in den über 60-jährigen.
  • Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Bevölkerung hätte sich damit die Zahl der Menschen mit bekanntem Diabetes von circa 4,8 Millionen auf circa 6,5 Millionen erhöht.
Therapieart
  • Hier kam es zu einem deutlichen Anstieg der Patienten, die mit Insulin behandelt werden: der Anteil der Versicherten mit alleiniger Insulintherapie stieg von 0,8% (1998) auf 1,5 % (2004) und der Anteil der Versicherten mit einer Kombination aus Insulin und oralen Antidiabetika stieg von 0,7 % auf 1,0 %.
  • Hochgerechnet auf die gesamte deutsche Bevölkerung hätte sich die Zahl der Menschen, die mit Insulin behandelt werden, von 1,2 Millionen im Jahr 1998 auf 2,0 Millionen im Jahr 2004 erhöht, was einer Zunahme von 68 % entspricht.
Diabetesbezogene Laboruntersuchungen
  • Der Anteil der Patienten mit wenigstens einer HbA1c-Messung pro Jahr stieg von 45,6 % im Jahr 1998 auf 69,6 % im Jahr 2004.
  • Ein Mikroalbuminurie-Screening wurde zwar auch zunehmend häufiger abgerechnet, aber insgesamt im Jahr 2004 nur bei 12,4 % der Diabetespatienten.
Augenuntersuchungen
  • Fast die Hälfte der Diabetespatienten (48 %) konsultierte im Jahr 2004 einen niedergelassenen Augenarzt, im Jahr 1998 waren es nur etwa ein Drittel (37 %).

Eine Limitation der Studie ist, dass es sich hier nicht um eine repräsentative Stichprobe der hessischen Bevölkerung handelt, sondern um eine Stichprobe von Vericherten einer Krankenkasse, der AOK, und dass es sich bei den deuschlandweiten Angaben nur um Hochrechnungen handelt. Leider sind die Ergebnisse der Laboruntersuchungen nicht verfügbar, so dass letztlich die Ergebnisqualität der Behandlung nicht beurteilt werden kann.

Fazit
Wie in den meisten Ländern nimmt auch in Deutschland die Zahl der mit Diabetes diagnostizierten Menschen kontinuierlich zu. Obwohl sich die Prozessqualität der ambulanten Diabetesversorgung in den letzten Jahren verbessert hat, gibt es noch Defizite in der Früherkennung von Komplikationen.


Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Hauner H, Köster I, Schubert I. Trends in der Prävalenz und ambulanten Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Deutsches Ärzteblatt 2007; 104(41): A 2799-805

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