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Weitere Hinweise auf Ursache für Schwangerschaftsdiabetes gefunden

(05.12.2007) Der Gestationsdiabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung in der Schwangerschaft. Über die Ursachen ist bisher jedoch nur wenig bekannt. Wissenschaftler von der Stanford Universität in Kalifornien, USA, haben vor kurzem eine interessante Entdeckung gemacht: Offenbar spielt das körpereigene Protein Menin eine wichtige Rolle bei der Diabetesentstehung.


Von 100 Schwangeren sind
etwa 4 Frauen von einem
Gestationsdiabetes betroffen

Von 100 Schwangeren sind etwa 4 Frauen von einem Gestationsdiabetes betroffen. Man versteht hierunter eine Störung im Zuckerstoffwechsel, die während einer Schwangerschaft beginnt oder erstmals entdeckt wird. Unbehandelt birgt ein Schwangerschaftsdiabetes erhebliche Gesundheitsrisiken für die Mutter und das ungeborene Kind.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes ansteigen lassen: Hierzu gehören ein Alter über 30 Jahre, Übergewicht, bewegungsarmer Lebensstil, Diabetes in der Familie, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder die Geburt eines mehr als 4 Kilogramm schweren Kindes in der Vergangenheit.

Welche Mechanismen bei der Entstehung des Schwangerschaftsdiabetes genau ablaufen, ist bisher nur ansatzweise geklärt. Forscher um Seung Kim von der Medizinischen Abteilung der Stanford Universität haben jetzt möglicherweise ein entscheidendes Detail aufgedeckt. Im Tierversuch konnten die Wissenschaftler zeigen, dass bei Mäusen mit Gestationsdiabetes die Spiegel des Proteins Menin höher sind als bei gesunden trächtigen Tieren.

Das aus über 600 Aminosäuren bestehende Eiweiß Menin ist aus der Tumorbiologie bekannt. Das Protein spielt eine Rolle bei der Unterdrückung von Krebs, indem es einer übermäßigen Vergrößerung von Zellen entgegenwirkt. Neben verschiedenen anderen Organen findet sich Menin auch in der Bauchspeicheldrüse.

Während einer Schwangerschaft muss sich die Bauchspeicheldrüse der Mutter vorübergehend an einen wachsenden Insulinbedarf anpassen. Hierbei hilft das Schwangerschaftshormon Prolaktin, indem es die Bildung von Menin unterdrückt und so ein Größenwachstum der insulinherstellenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse ermöglicht. Nach Beendigung der Schwangerschaft steigen die Meninspiegel wieder an und die Betazellen „schrumpfen“ auf ein normales Maß zurück.

Kim und sein Team haben herausgefunden, dass der Schwangerschaftsdiabetes mit einer fehlenden Unterdrückung der Meninproduktion einhergeht: Genetisch veränderte Mäuse, bei denen die Meninspiegel in der Schwangerschaft höher als üblich waren, entwickelten einen Gestationsdiabetes mit zu hohem Blutzucker und gestörter Glukosetoleranz. In einer weiteren Untersuchung verabreichten die Forscher nicht-trächtigen Tieren das Schwangerschaftshormon Prolaktin. Wie vermutet, sanken daraufhin die Meninspiegel und die insulinherstellenden Betazellen vergrößerten sich – genauso wie bei einer bestehenden „normalen“ Schwangerschaft.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Prolaktin nicht das einzige Hormon ist, das die Höhe der Meninspiegel steuert. Detailkenntnisse über die genauen Mechanismen der Menin-Regulation könnten helfen, die Entstehung des Schwangerschaftsdiabetes noch besser zu verstehen und eventuell Ansatzpunkte für neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Weitere Studienergebnisse zu diesem Thema werden daher mit Spannung erwartet.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Karnik SK, Chen H, McLean GW et al. Menin controls growth of pancreatic beta-cells in pregnant mice and promotes gestational diabetes mellitus. Science 2007; 318: 806-9

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