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Leichte Erhöhung des HbA1c-Wertes weist auf Diabetesgefährdung hin

(15.11.2007) Der HbA1c-Wert ist ein wichtiger Messparameter, um den Verlauf und die Behandlungserfolge bei einer Diabeteserkrankung zu kontrollieren. Wissenschaftler um Aruna D. Pradhan vom Brigham and Women's Hospital in Boston (USA) sind der Frage nachgegangen, ob grenzwertig erhöhte HbA1c-Werte eine Aussage über das zukünftige Risiko für einen Typ 2 Diabetes zulassen.


Foto: DAK/Schläger

Der aktuelle Zuckergehalt im Blut kann mit verschiedenen Messmethoden direkt bestimmt werden. Eine solche Blutzuckermessung hat jedoch den Nachteil, dass sie nur eine Momentaufnahme darstellt. Tatsächlich verändert sich der Blutzuckerspiegel ständig, z. B. steigt er nach Nahrungsaufnahme an oder er sinkt nach körperlicher Anstrengung ab. Eine verlässliche Methode, um den Blutzuckerspiegel im Langzeitverlauf zu kontrollieren – d. h. um einen „Durchschnittswert“ der Blutzuckerhöhe zu erhalten – ist das Messen des so genannten HbA1C-Wertes. HbA1C ist verzuckerter roter Blutfarbstoff, der entsteht, wenn sich Zuckerbausteine an den Blutfarbstoff (= Hämoglobin) der roten Blutkörperchen binden. Das verzuckerte Hämoglobin ist ca. 90 Tage im Blut nachweisbar – dann werden die roten Blutkörperchen in der Regel abgebaut und durch neue ersetzt. Beim „Gesunden“ liegt der HbA1C-Wert zwischen 4,6 % und 5,6 %. Dies bedeutet, dass 4,6 Prozent bis 5,6 Prozent des gesamten roten Blutfarbstoffs verzuckert sind. Diabetiker haben unbehandelt deutlich höhere HbA1c-Werte. Für eine gute Diabetes-Einstellung sollte der HbA1C-Wert möglichst kleiner als 7,0 % sein, um Diabetes-Schäden wie Erblindung, Nierenversagen, Amputation, Schlaganfall oder Herzinfarkt vorzubeugen.

Pradhan und ihre Kollegen haben anhand der Daten von 26.563 Krankenschwestern untersucht, ob eine spätere Typ 2 Diabeteserkrankung bereits im Vorfeld mit leicht erhöhten HbA1c-Werten einhergeht. Die Frauen hatten an der bekannten Women's Health Study teilgenommen, die 1992 gestartet wurde. Alle Studienteilnehmerinnen waren damals mindestens 45 Jahre alt und „gesund“, d. h. sie wiesen zu Beginn der Untersuchung keinen Diabetes und keine Herzkreislauferkrankung auf.

In den folgenden rund 10 Beobachtungsjahren wurden 1.238 Fälle mit einem neu aufgetretenen Typ 2 Diabetes diagnostiziert. Die Wissenschaftler verglichen bei den Betroffenen die HbA1c-Werte zu Studienbeginn: Tatsächlich zeigte sich, dass mit der Höhe des HbA1c-Wertes auch das das Risiko für einen späteren Typ 2 Diabetes anstieg – selbst dann, wenn sich der Wert noch im „Normalbereich“ bewegte. Im Vergleich zu Frauen, deren HbA1c-Wert bei Studieneinschluss unter 5 % lag, betrug das adjustierte relative Risiko für einen Typ 2 Diabetes in den nächsten 10 Jahren

  • 2,9 bei einem HbA1c-Wert zwischen 5,0 und 5,4 %,
  • 12,1 bei einem HbA1c-Wert zwischen 5,5 und 5,9 %,
  • 29,3 bei einem HbA1c-Wert zwischen 6,0 und 6,4 %,
  • 28,2 bei einem HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 6,9 % und
  • 81,2 bei einem HbA1c-Wert von 7,0 % oder darüber.


Die Ergebnisse der Studie bestätigen Befunde anderer Untersuchungen, die nahe legen, die diagnostische Schwelle für Störungen des Zuckerstoffwechsels weiter abzusenken. Die HbA1c-Werte zeigen schon im Vorfeld der Typ 2 Diabeteserkrankung leichte Anstiege – die zwar nach den bisherigen Definitionen noch im „Normalbereich“ liegen, andererseits aber bereits mit einem erhöhten Diabetesrisiko einhergehen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Pradhan AD, Rifai N, Buring JE et al. Hemoglobin A1c predicts diabetes but not cardiovascular disease in nondiabetic women. Am J Med 2007; 120: 720-7

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