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Die diabetische Retinopathie als Risikofaktor für eine koronare Herzerkrankung

(06.08.2007) Hierzulande ist die koronare Herzkrankheit (KHK) die hauptsächliche Todesursache bei Typ 2 Diabetikern. Während bei der allgemeinen Bevölkerung so genannte makrovaskuläre Erkrankungen als Ursache angesehen werden, vermutet man bei Typ 2 Diabetikern die so genannten mikrovaskulären Krankheitsbilder – eine Schädigung der kleinen Blutgefäße – als Ursache für eine KHK.

Augenhintergrund
Chronisch erhöhter Blutzucker
schädigt die feinen Blutgefäße
an Augenhintergrund

Makrovaskulär bedeutet, die großen Gefäße betreffend, zum Beispiel ein Herzinfarkt oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK). Mikrovaskulär bedeutet dementsprechend, die kleinen Gefäße betreffend, zum Beispiel die diabetische Retinopathie.

Die diabetische Retinopathie ist häufigste Ursache für Erblindungen im Erwachsenenalter und gilt als spezifischer Marker für so genannte mikrovaskuläre Erkrankungen bei Typ 2 Diabetes. Die Sehzellen der Netzhaut können bei Gefäßschädigung nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Pro Jahr verlieren etwa 6.000 Diabetiker durch diese Erkrankung ihr Augenlicht.

Unklar ist jedoch, ob das Vorhandensein einer diabetischen Retinopathie ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten anzeigen kann. Um dies herauszufinden, wurden 1.524 Typ 2 Diabetikerinnen mittleren Alters untersucht, bei denen zu Beginn der Untersuchungen noch keine koronare Herzerkrankung diagnostiziert werden konnte. Von diesen Teilnehmerinnen der Studie hatten bereits 214 eine diabetische Retinopathie. Über einen Beobachtungszeitraum von 7,8 Jahren gab es 209 KHK-Zwischenfälle. Nach Überprüfung verschiedener Einflussmöglichkeiten wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Blutdruck, Bluthochdruckbehandlung, Nikotinmissbrauch, Blutfettwerte, Körpergewicht und der HbA1c war das Vorhandensein einer diabetischen Retinopathie mit einem zweifach höherem Risiko behaftet, eine KHK zu erleiden. Das Risiko für eine tödliche KHK war um das dreifache erhöht. Die vorliegenden Ergebnisse gelten für Männer gleichermaßen wie für Frauen.

Fazit: Das Auftreten einer diabetischen Retinopathie ist mit einem erhöhten Risiko einer koronaren Herzerkrankung (KHK) verbunden. Das Auftreten einer KHK ist unabhängig von den bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren, der Diabetesdauer, der Stoffwechselführung oder dem Vorhandensein einer Arteriosklerose („Arterienverkalkung“). Die vorliegenden Daten stützen die Hypothese, dass mikrovaskuläre Erkrankungen wie die diabetische Retinopathie eine ursächliche Rolle bei der Entstehung einer koronaren Herzerkrankung spielen.

Autorin: Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Cheung et al. Diabetic Retinopathy and the Risk of Coronary Heart Disease,
Diabetes Care 30:1742–1746, 2007

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