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Pupillengröße gibt Hinweis auf das mikrovaskuläre Risiko

(21.03.2007) Australische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Größe der Augenpupille bei jugendlichem Typ 1 Diabetikern mit dem späteren Risiko für Augen- und Nierenschäden korreliert. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht.

 

Typische Folgeschäden langjährig überhöhter Blutzuckerwerte beim Diabetes sind mikrovaskuläre Erkrankungen: Schäden an den kleinen bis kleinsten Blutgefäßen tragen zu Augen- und Nierenschäden bei wie der diabetischen Retinopathie und der diabetischen Nephropathie. Auch eine Neuropathie ist häufig, das heißt eine Störung der Nervenfunktion. Die sogenannte autonome Neuropathie tritt dabei besonders früh auf. Dabei handelt es sich um eine Schädigung von Nerven, die „autonom“ funktionieren und nicht der willkürlichen Kontrolle durch das Gehirn unterliegen. Das autonome Nervensystem reguliert und kontrolliert die Funktion innerer Organe und Organsysteme wie zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System, die Speiseröhre, den Magen, den Darm, die Schweißdrüsen, die Harnwege, die Geschlechtsorgane, die Hormonausschüttung und auch die Pupillenreflexe.

In den Jahren 1990 bis 1993 untersuchte das australische Studienteam um Ann M. Maguire vom Childrens Hospital in Westmead, Sydney, 335 Jugendliche mit einem Typ 1 Diabetes. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug knapp 15 Jahre, die mittlere Diabetesdauer lag bei 6 Jahren und der Durchschnitts-HbA1c war zu diesem Zeitpunkt 8,3 %. Alle Jugendlichen unterzogen sich einer Pupillometrie und einem Herz-Kreislauf-Funktionstest, um die autonome Nervenfunktion zu prüfen. Bei der Pupillometrie wurden die Reflexe der Augenpupillen und die Pupillengröße gemessen.

Zirka 12 Jahre später wurden die Studienteilnehmer noch einmal kontaktiert. Insgesamt 137 Personen nahmen in den Jahren 2003 bis 2005 an einer Folgeuntersuchung teil. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 10 % der Typ 1 Diabetiker eine schwere Retinopathie entwickelt, die lasertherapeutisch behandelt wurde. Bei weiteren 15 % lag eine mäßige und bei 44 % eine leichte Retinopathie vor. 19 % der Diabetiker wiesen eine Mikroalbuminurie auf als frühes Zeichen einer beginnenden Nierenschädigung.

Die australischen Forscher verglichen die Anfang der 90er Jahre gemessene Pupillengröße mit den aktuellen Krankheitsbefunden. Dabei machten sie eine interessante Entdeckung: Typ 1 Diabetiker, bei denen als Jugendliche eine kleine Pupillengröße gemessen wurde, waren 12 Jahre später mehr als 4-mal häufiger von einer Mikroalbuminurie und fast 5-mal öfter von einer Retinopathie betroffen. Zwischen den Ergebnissen der damaligen Herzkreislauffunktionstests und dem späteren Vorliegen einer mikrovaskulären Erkrankung fanden sie hingegen keinen Zusammenhang.

Das FAZIT der Wissenschaftler:
Eine kleine Pupillengröße in der Pupillometrie ist beim Typ 1 Diabetiker möglicherweise ein Hinweis auf ein höheres Risiko für mikrovaskuläre Folgeerkrankungen. In weiteren Untersuchungen soll nun geprüft werden, ob eine frühzeitige weitere Intensivierung der Insulintherapie bei diesen Patienten die Rate späterer Folgekomplikationen verringern kann.

Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Maguire AM, Craig ME, Craighead A et al. Autonomic Nerve Testing Predicts the Development of Complications: A 12-year follow-up study. Diabetes Care 2007; 30: 77-82

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