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Viele Patienten mit Typ 2 Diabetes leiden unter Blutarmut

(17.01.2007) Ein häufiger Befund bei Menschen mit einer Typ 2 Diabeteserkrankung ist die als Anämie bezeichnete Blutarmut. Dahinter verbirgt sich ein Mangel an roten Blutzellen (Erythrozyten) bzw. der Mangel am roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Das Hämoglobin befindet sich im Inneren der Erythrozyten, wo es für die Bindung und den Transport von Sauerstoff zuständig ist.

Blutproben 
DRK

Kurz: Die Anämie führt dazu, dass den Zellen und Geweben weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Entsprechend fühlen sich Menschen mit einer Blutarmut oft schwach, ermüden rasch und klagen manchmal über Atemnot. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Anämie, die sehr unterschiedlich sein kann. Der Normalwert für Hämoglobin liegt bei Frauen zwischen 12-16 g/dl und bei Männern zwischen 14-18 g/dl.

Anämien können durch verschiedene Grunderkrankungen entstehen:
Häufig ist die Blutarmut durch eine verringerte Bildung oder eine fehlerhafte Entwicklung der roten Blutkörperchen bedingt. Ursache ist in diesem Fall oft ein Eisenmangel, der zu Störungen bei der Bildung von Hämoglobin führt. Ebenso können sich hinter der Anämie ein Vitamin-B12- oder ein Folsäuremangel verbergen. Eine weitere häufige Ursache ist die Einschränkung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz): In den Nieren wird das Hormon Erythropoetin hergestellt, das als Wachstumsfaktor für die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark eine wichtige Rolle spielt. Wenn die Nierenfunktion abnimmt, wird auch weniger Erythropoetin erzeugt, wodurch die Produktionsmenge der roten Blutkörperchen sinkt. Vor allem Menschen mit einer Typ 2 Diabeteserkrankung neigen verstärkt zur Niereninsuffizienz.

Darüber hinaus können auch

  • Eisenverwertungsstörungen (z. B. bei Infekten oder Tumorerkrankungen),
  • ein vorzeitiges Absterben der roten Blutkörperchen (z. B. bei bestimmten Erbkrankheiten oder Infekten wie Malaria),
  • allergische Reaktionen oder
  • erhöhter Blutverlust (z. B. bei Magen-Darm-Blutungen)

die Ursache für eine Blutarmut sein.

Wissenschaftler vom australischen Baker Medizin-Forschungsinstitut in Melbourne sind der Frage nachgegangen, welche Ursachen der Blutarmut bei Menschen mit Typ 2 Diabetes zugrunde liegen und durch welche Faktoren sich ein Mangel an sauerstofftransportierendem Hämoglobin vorhersagen lässt. Das Team um Merlin C. Thomas untersuchte 503 Menschen mit Typ 2 Diabetes, die sich in einer Diabetesklinik vorgestellt hatten und beobachtete die Studienteilnehmer anschließend über weitere 5 Jahre. Bei jeder Routineuntersuchung wurde neben den „Standardparametern“ auch die Zahl der Blutzellen und die Menge des roten Blutfarbstoffs bestimmt. Medikamente zur Korrektur des Hämoglobinwertes erhielt im Beobachtungszeitraum keiner der Studienteilnehmer.

Das Ergebnis: Insgesamt 12 Prozent aller Patienten wiesen zu Beginn der Untersuchung eine Anämie auf. Weitere 13 Prozent entwickelten in den darauf folgenden 5 Jahren eine Blutarmut. Damit war zum Ende der Beobachtungszeit ein Viertel aller Typ 2 Diabetiker von einem Hämoglobin-Mangel betroffen. Insgesamt sanken die Spiegel des roten Blutfarbstoffs (Hb-Wert) jährlich um durchschnittlich 0,07 g/dl. Mit Abstand am stärksten ausgeprägt war die Abnahme der Hämoglobin-Spiegel bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung (nachweisbar durch Eiweißausscheidung im Urin) oder/und einer fortgeschrittenen Arteriosklerose.


Hinter der häufig beobachteten Blutarmut beim Typ 2 Diabetes verbirgt sich in vielen Fällen eine Niereninsuffizienz, von der vor allem ältere Diabetiker betroffen sind. Auch Patienten, die bereits arteriosklerotische Schäden an Herz und Gefäßen aufweisen, zeigen überdurchschnittlich oft niedrige Hb-Spiegel. Die Anämie wiederum – dies zeigen Studien aus der Vergangenheit – kann sich schädigend auf verschiedene Organsysteme auswirken und zum Beispiel Herzkrankheiten und das weitere Fortschreiten einer Nierenfunktionsstörung fördern. Die Autoren der Studie empfehlen daher, vor allem bei Typ 2 Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion, höherem Lebensalter oder einer Herz-Kreislauferkrankung ein- bis zweimal pro Jahr das Vorliegen einer Blutarmut im Rahmen eines Anämie-Screenings zu überprüfen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Thomas MC, Tsalamandris C, MacIsaac RJ et al. The Epidemiology of Hemoglobin Levels in Patients With Type 2 Diabetes. American Journal of Kidney Disease 2006; 48: 537-545

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