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Herzinfarkte bleiben bei Diabetikern häufig unbemerkt

(08.01.2007) Der Herzinfarkt und seine Folgen zählen nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. In den meisten Fällen liegt eine fortgeschrittene Arteriosklerose der Herzkranzgefäße zugrunde, in deren Folge ein plötzlicher Gefäßverschluss auftritt.

Hierdurch werden Teile des Herzmuskels vorübergehend von der Blut- und Sauerstoffversorgung „abgeschnitten“ und das betroffene Gewebe irreparabel geschädigt. Wenn der Herzinfarkt überlebt wird, bildet sich anstelle des abgestorbenen Herzgewebes eine Narbe. Je nachdem, wie groß das untergegangene Gewebeareal ist und wo sich die Narbe befindet, kann es später zu Einschränkungen bei der Herzmuskelleistung oder zu Störungen bei der Erregungsweiterleitung im Herzen kommen. Die Folgen sind eine zunehmende Herzschwäche und – unter Umständen tödliche endende – Herzrhythmusstörungen.

In der Regel ist der Herzinfarkt ein sehr heftiges Ereignis, das mit starken Schmerzen, Engegefühl in der Brust und Atembeklemmung einhergeht. Es gibt jedoch auch Beispiele – und dies ist gar nicht so selten – bei denen die plötzliche Durchblutungsstörung im Herzen überhaupt nicht wahrgenommen wird: Bis auf Müdigkeit und eine ungewohnte Erschöpfung verspürt der Betroffene keine weiteren Beschwerden. In diesem Fall spricht man von einem sogenannten stummen Herzinfarkt. Verantwortlich für die fehlende Wahrnehmung sind Störungen bei der Schmerzweiterleitung in den Nerven des Herzens, zum Beispiel im Rahmen der häufigen diabetischen Nervenerkrankung (= diabetische Neuropathie). Entsprechend oft findet man unbemerkt gebliebene Herzinfarkte – bzw. deren Folgen wie Narben im Herzmuskel – bei Menschen mit einer Diabeteserkrankung.

Wissenschaftler um Wilbert S. Aronow vom New York Medical College haben die Häufigkeit stummer Herzinfarkte bei 287 Diabetikern und 292 etwa gleichaltrigen Nicht-Diabetikern verglichen. Das Durchschnittsalter der untersuchten Personen lag bei etwa 63 Jahren. Alle Probanden nahmen an einem Belastungstest in Form einer Laufband-Ergometrie teil. Nach Verabreichung des Kontrastmittels Technetium-99m-Sestamibi wurden gleichzeitig spezielle Aufnahmen des Herzens angefertigt. Technetium-99m-Sestamibi lagert sich in den Herzmuskelzellen ab. Hierdurch können die regionale Durchblutung im Herzen und Infarktnarben sichtbar gemacht werden.

Die Ergebnisse: Bei den Personen ohne bekannte Herzprobleme hatten insgesamt 62 von 189 Diabetikern (33%) und 35 von 191 Nicht-Diabetikern (15%) in der Vergangenheit einen unbemerkt gebliebenen Herzinfarkt erlitten. Bei Patienten mit Herzbeschwerden (Angina pectoris) wurde ein stummer Herzinfarkt bei 35 von 98 Diabetikern (36%) und bei 30 von 101 Nicht-Diabetikern (30%) diagnostiziert.

Der stumme Herzinfarkt kommt nach den Daten dieser Studie bei Diabetikern ohne bisher bekannte Herzprobleme mehr als doppelt so häufig vor im Vergleich zu ebenfalls beschwerdefreien Personen ohne Diabeteserkrankung. Bei Diabetespatienten sollte die Herz-Kreislaufgefährdung daher besonders sorgfältig beobachtet werden – unabhängig davon, ob Herzbeschwerden vorliegen oder nicht.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: DeLuca AJ, Kaplan S, Aronow WS et al. Comparison of prevalence of unrecognized myocardial infarction and of silent myocardial ischemia detected by a treadmill exercise sestamibi stress test in patients with versus without diabetes mellitus. Am J Cardiol 2006; 98: 1045-1046

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