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Moderater Kaffeekonsum kann nächtliche Unterzuckerungen bei Typ 2 Diabetes reduzieren

(08.07.2005) Jeder dritte bis vierte Typ 1 Diabetiker hat Probleme mit Unterzuckerungen (= Hypoglykämien). Vor allem nachts auftretende Hypoglykämien werden oftmals „verschlafen“ und machen sich nur dadurch bemerkbar, dass man morgens müde und abgespannt aufwacht und die morgendlichen Blutzuckerwerte durch die Gegenreaktion des Körpers dann meist hoch sind. Selbst wenn die Unterzuckerung oft nur gering bis mäßig ausgeprägt ist, liegt doch eine Gefahr darin, dass wiederholte Hypoglykämien im Laufe der Zeit die Wahrnehmung für eine Unterzuckerung und die körpereigene Gegenregulation abschwächen können.


Moderater Koffeingenuss kann
offenbar die Häufigkeit und
Dauer nächtlicher Unterzucke-
rungen abschwächen

Wissenschaftler von der Bournemouth Universität in Großbritannien haben vor kurzem eine interessante Untersuchung veröffentlicht, in der sie den Einfluss von moderatem Kaffeekonsum auf das Auftreten nächtlicher Unterzuckerungen geprüft haben. Die Studie wurde bei 19 Personen durchgeführt, die seit mindestens fünf Jahren oder länger an einer Typ 1 Diabeteserkrankung litten. Jeweils die Hälfte der Teilnehmer erhielt über zwei Wochen täglich entweder zwei Tabletten mit je 250 mg Koffein (insgesamt 500 mg Koffein pro Tag) oder ein sogenanntes Scheinpräparat (Plazebo). Die verabreichte Koffeinmenge entsprach einem Konsum von etwa 3-4 Tassen Kaffee pro Tag. Nach Beendigung der 2-wöchigen Versuchsphase wurden die Rollen getauscht: Wer vorher Koffein-Tabletten eingenommen hatte, bekam jetzt das Scheinpräparat und umgekehrt. Allerdings war weder dem Patienten noch dem behandelnden Arzt bekannt, ob gerade die Koffein- oder die Plazebo-Tablette verabreicht wurde (= Doppelblindstudie).

Während der jeweils letzten zwei Tage der 2-wöchigen Versuchsphasen erhielten die Teilnehmer ein Gerät zur kontinuierlichen Glukosemessung, mit dem über 48 Stunden mehr als 570 Zuckermessungen automatisch aufgezeichnet wurden. Das Ergebnis: Bei den Teilnehmern, die tagsüber Koffein eingenommen hatten, war die Zeitspanne nächtlicher Unterzuckerungen deutlich geringer (durchschnittlich nur 49 Minuten im Vergleich zu 132 Minuten ohne Koffeinzufuhr). Eine Hypoglykämie wurde dokumentiert, wenn die Zuckerwerte in vier aufeinanderfolgenden Messungen bei 63 mg/dl oder darunter lagen. Tagsüber zeigten sich bei der Häufigkeit, Dauer und Schwere der Unterzuckerungen keine Unterschiede in den beiden Gruppen. Auch der Gesamt-Durchschnitt der über 48 Stunden gemessenen Glukosewerte war hier vergleichbar.

Eine Hypothese der Wissenschaftler ist, dass die durch Koffein bedingte Verringerung nächtlicher Hypoglykämien möglicherweise durch eine Veränderung des Schlafmusters zustande kommt. Es ist bekannt, dass Koffein die Wirkung des Botenstoffs Adenosin („Müdigkeits-Botenstoff“) im Gehirn blockiert und so die Tiefschlafphase des sogenannten NonREM-Schlafs reduziert. Im NonRem-Schlaf ist die vom Körper gesteuerte Gegenregulation bei einem Abfall des Blutzuckers abgeschwächt.

Natürlich ist Koffein nicht nur in Kaffee, sondern auch in bestimmten Teesorten, Cola, Kakao, Guarana und Mate enthalten. Eine Tasse Kaffee enthält im Durchschnitt etwa 150 mg Koffein. Allgemein wird empfohlen, den Kaffeekonsum auf 3-4 Tassen Kaffee pro Tag zu begrenzen. Die Tasse schwarzer Tee enthält bis zu 50 mg, ein 0,33 Liter Glas Cola zwischen 30 und 60 mg und ein Becher Kakao zirka 6 mg Koffein.


Der moderate (!) Genuss von Koffein kann offenbar die Häufigkeit und Dauer nächtlicher Unterzuckerungen abschwächen. Da die Teilnehmerzahl der beschriebenen Studie relativ klein ist, sollten die Ergebnisse allerdings noch in einer größeren Untersuchung bestätigt werden.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Richardson T, Thomas P, Ryder J et al. Influence of Caffeine on Frequency of Hypoglycemia Detected by Continuous Interstitial Glucose Monitoring System in Patients With Long-Standing Type 1 Diabetes. Diabetes Care 2005; 28: 1316-1320

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