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Neues Screening-Tool erleichtert die Diagnose eines LADA-Diabetes

(28.06.2006) Der sogenannte LADA (Latent Autoimmune Diabetes of Adults) ist eine besondere Form des Diabetes mellitus. Er ist dem Typ 1 Diabetes sehr ähnlich, tritt aber im Unterschied zu diesem erst im Erwachsenenalter d. h. nach dem 30. Lebensjahr auf und führt in der Regel nicht sofort zur Insulinpflichtigkeit. Bei der Blutuntersuchung finden sich, ähnlich wie beim Typ 1 Diabetes, Antikörper im Serum und die Bauchspeicheldrüse stellt nur eingeschränkt Insulin her. Die Abgrenzung zu dem (im Erwachsenenalter typischen) Typ 2 Diabetes erschwert, dass die Betroffenen zunächst noch kein Insulin benötigen.


Foto: DAK

Allerdings sprechen diese Patienten häufig schon nach wenigen Monaten nicht mehr auf eine Therapie mit Diät und Tabletten an. Dies bezeichnet man als Sekundärversagen. Es wird schließlich doch eine Insulinbehandlung erforderlich. Bei etwa 10 Prozent aller neu diagnostizierten Diabetesfälle im Erwachsenenalter liegt ein LADA-Diabetes vor.

Australische Wissenschaftler haben jetzt ein neues Screening-Tool vorgestellt, welches die Diagnose eines LADA-Diabetes in der Praxis erleichtern soll. Das Team um Spiros Fourlanos vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research interviewte 102 Personen mit einem bekannten LADA-Diabetes. Die Teilnehmer waren zwischen 30 und 75 Jahre alt. Bei allen Befragten hatte die Blutuntersuchung das Vorhandensein von GAD-Antikörpern ergeben. Dies sind Abwehrstoffe gegen ein Eiweiß, das nur in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse vorkommt. Die Ergebnisse verglichen die Wissenschaftler mit den Befunden von Typ 2 Diabetikern ohne GAD-Antikörper.

Anhand der Interview-Auswertung identifizierte das australische Team fünf klinische Merkmale, die bei LADA-Patienten deutlich häufiger waren als bei den befragten Typ 2 Diabetikern:

  1. Das Alter bei Diabetes-Diagnose liegt unter 50 Jahre (p < 0.0001).
  2. Es traten akute Symptome einer Hyperglykämie auf (p < 0.0001).
  3. Der BMI (Body Mass Index) beträgt weniger als 25 kg/m2 (p < 0.0004).
  4. In der Krankenvorgeschichte (Anamnese) ist bereits eine Autoimmunerkrankung bekannt.
  5. Bei erstgradig Verwandten (Eltern, Geschwister) liegt eine Autoimmunerkrankung vor (p = 0.024).

Um die Aussagekraft der fünf Merkmale zu überprüfen, führten die Wissenschaftler anschließend eine weitere, prospektive Studie durch, an der 130 erwachsene Patienten mit einem neu diagnostizierten Diabetes teilnahmen. Waren mindestens zwei der oben genannten Kriterien erfüllt, gingen die Wissenschaftler von einem LADA-Diabetes aus. Tatsächlich wurden so 90 Prozent aller LADA-Patienten erfasst (Sensitivität: 90 %, Spezifität: 71 %). Trafen hingegen weniger als zwei der genannten Merkmale zu, konnte mit 99-prozentiger Sicherheit ein LADA-Diabetes ausgeschlossen werden.


Mit Hilfe des vorgestellten Screening-Tools lässt sich ein LADA-Diabetes einfach und relativ zuverlässig von einem Typ 2 Diabetes abgrenzen. Treffen mindestens zwei der genannten Merkmale zu, ist ein LADA sehr wahrscheinlich, d. h. es sollte in jedem Fall auf Inselzellantikörper gescreent werden. Liegt hingegen nur ein oder überhaupt keines der Merkmale vor, lässt sich ein LADA-Diabetes fast sicher ausschließen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Fourlanos S, Perry C, Stein MS et al. A Clinical Screening Tool Identifies Autoimmune Diabetes in Adults. Diabetes Care 2006; 29: 970-975

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