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Gewichtsabnahme und Bewegung helfen bei Neuropathie im Prädiabetes-Stadium

(16.06.2006) Die Neuropathie oder Nervenschädigung ist eine der gefürchteten Folgen jahrelang überhöhter Blutzuckerspiegel. Typische Beschwerden sind Schmerzen und belastende Gefühlsstörungen wie Taubheit, Brennen oder „Ameisenlaufen“. Die Neuropathie betrifft am häufigsten die Beine und die Füße – in 85 bis 90 Prozent aller Fälle ist sie an der Entstehung des diabetischen Fußsyndroms beteiligt.

Nervenschäden können sich aber auch entwickeln, wenn (noch) kein Diabetes vorliegt. In diesen Fällen sind meist die Schmerzen das vorherrschende Symptom. Werden diese Patienten genauer untersucht, zeigen etwa 40 Prozent der Betroffenen eine gestörte Glukosetoleranz (IGT). Die IGT gilt als Vorstadium zum Typ 2 Diabetes und wird daher auch als Prädiabetes bezeichnet.

Die erfolgreichste Methode, einer Neuropathie vorzubeugen, ist die normnahe Einstellung der Blutzuckerwerte. Ist jedoch erst einmal ein Nervenschaden eingetreten, galt dies bisher als irreversibel, dass heißt nicht wieder rückgängig zu machen. Wissenschaftler aus den USA haben jetzt erstmalig die Entdeckung gemacht, dass sich geschädigte Nervenfasern im Prädiabetes-Stadium entgegen bisheriger Annahmen möglicherweise wieder erholen können. Die Voraussetzungen hierfür sind „simpel“: Richtige Ernährung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung reichen aus, um die Nervenfaserdichte deutlich zu erhöhen.

Die Wissenschaftler um A. Gordon Smith stellten ihre Ergebnisse auf der diesjährigen Jahrestagung der American Academy of Neurology in San Diego, USA, vor. Smith und sein Team hatten an der University of Utah 32 Freiwillige untersucht, die einen Prädiabetes aufwiesen und gleichzeitig von einer schmerzhaften Neuropathie betroffen waren. Die Patienten verpflichteten sich, an einem Lebensstil-Anpassungs-Programm teilzunehmen. Ziel war es, 7 Prozent des Körpergewichts abzunehmen und mindestens 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv zu sein (moderater Sport, zügiges Gehen etc.). Außerdem erhielten die Teilnehmer alle drei Monate eine individuelle Ernährungsberatung.

Zu Beginn der Studie und nach einem Jahr „Lebensstil-Therapie“ wurden bei allen Patienten Hautproben (ca. 3mm Durchmesser) am Unter- und Oberschenkel entnommen, um die Dichte der Nervenfasern zu messen. Vor der Teilnahme am Lebensstil-Programm betrug die Nervenfaserdichte durchschnittlich 0,9 Fasern pro mm in der Unterschenkelhaut und 4,8 Fasern pro mm im Oberschenkelbereich. Nach einem Jahr konsequenter Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und regelmäßiger Bewegung zeigten sich deutlich verbesserte Werte: Insgesamt war die Dichte der Nervenfasern um im Mittel 0,3 Fasern pro mm (Unterschenkel) bzw. 1,4 Fasern pro mm (Oberschenkel) angestiegen (p < 0.004). Mit der Zunahme der Nervenfasern gingen auch die Schmerzen bei den Betroffenen zurück (p < 0.05).


Eine Neuropathie auf der Grundlage einer Zuckerstoffwechselstörung kann bereits beim Prädiabetiker auftreten. In diesem Stadium lässt sich der Prozess der Nervenschädigung unter Umständen noch rückgängig machen. Die Bedingung hierfür ist eine entsprechend nachhaltige und konsequente Veränderung des Lebensstils mit mehr Bewegung, einer ausgewogenen kalorienreduzierten Kost und dem Anstreben von Normalgewicht.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Smith G, Russell J, Feldman E et al. Diet and Exercise Result in Epidermal Reinnervation in Impaired Glucose Tolerance Neuropathy. Presented at the American Academy of Neurology 58th Annual Meeting in San Diego, 5. April 2006

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