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Cannabinol schützt möglicherweise vor diabetischer Augenerkrankung

(05.05.2006) Erkrankungen der Augen wie die diabetische Retinopathie (Netzhauterkrankung) und die Makulopathie, bei der die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut geschädigt ist, zählen zu den häufigsten Langzeitfolgen einer Diabeteserkrankung. Noch immer ist die diabetische Retinopathie in den westlichen Ländern die häufigste Erblindungsursache: Diabetiker sind statistisch gesehen fünfmal häufiger betroffen als Menschen ohne Zuckerkrankheit. In Deutschland erblinden pro Jahr zirka 1.700 Diabetes-Patienten. Nach langer Diabetesdauer (15-20 Jahre) leiden bis zu 95 Prozent der Menschen mit Typ 1 Diabetes und bis zu 80 Prozent aller Typ 2 Diabetiker an einer Retinopathie.


Chronisch erhöhter Blutzucker
schädigt die feinen Blutgefäße
an Augenhintergrund
Ein Auslöser der Augenerkrankung ist die dauerhafte Erhöhung des Blutzuckers. Diese führt zu biochemischen und zellphysiologischen Veränderungen mit dem Ergebnis einer Netzhautschädigung. Die diabetische Retinopathie verläuft lange Zeit ohne Symptome, kann aber bereits therapiebedürftig sein. Sehstörungen werden bemerkt, wenn die Netzhautveränderung schon weit fortgeschritten ist. Wird die Retinopathie aber erst in diesem Stadium entdeckt, sind die Prognose und die Behandlungsmöglichkeiten bereits sehr viel schlechter. Die regelmäßige augenärztliche Kontrolle zur Früherkennung von Augenschäden ist für Patienten mit einer Diabeteserkrankung deshalb so wichtig.

Die effektivste Maßnahme, um einer diabetischen Augenerkrankung vorzubeugen, ist die normnahe Einstellung des Blutzuckers. Seit Jahren bemühen sich Forscher um die Entwicklung von Medikamenten, die zusätzlich Schutz vor der diabetischen Retinopathie bieten. Einen vielversprechenden Ansatz hat jetzt möglicherweise eine Arbeitsgruppe um den Molekularbiologen Gregory I. Liou von der medizinischen Universität in Georgia, USA, entdeckt. Die Wissenschaftler fanden in experimentellen Untersuchungen Hinweise dafür, dass die aus Hanfprodukten stammende Substanz Cannabinol möglicherweise der diabetischen Retinopathie entgegenwirkt. In ersten Pilotstudien bei diabetischen Versuchstieren, denen Cannabinol injiziert wurde, bestätigten sich die positiven Effekte.

Cannabinol, auch Cannabidiol genannt, ist ein nichtpsychoaktives Cannabinoid, das man zum Beispiel in Hanfprodukten wie Haschisch oder Marihuana findet. Für Cannabinol sind bereits verschiedene medizinische Wirkungen bekannt, darunter entzündungshemmende, antioxidative, angstlösende und entkrampfende Effekte. Nach derzeitiger Einschätzung der US-amerikanischen Wissenschaftler neutralisiert Cannabinol im Auge toxische Sauerstoffradikale, die Entzündungsreaktionen in Gang halten und Nervenzellen in der Netzhaut schädigen.

Die Arbeitsgruppe aus Georgia hofft, dass sich mit der Substanz Cannabinol irgendwann in der Zukunft ein Medikament entwickeln lässt, dass gezielt gegen die diabetische Retinopathie wirkt. Zunächst muss aber in weiteren und größeren Untersuchungen geprüft werden, ob sich die beobachteten günstigen Effekte bestätigen und wie eine solche Substanz bei Patienten mit einer Diabeteserkrankung eingesetzt werden könnte.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: El-Remessy AB, Al-Shabrawey M, Khalifa Y et al. Neuroprotective and blood-retinal barrier-preserving effects of cannabidiol in experimental diabetes. Am J Pathol 2006; 168: 235-244

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