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Entzündungsmarker sagen voraus, wer besonders von einer Lebensstiländerung profitiert

(04.10.2006) Die Finnische Diabetes Präventions-Studie (Finnish DPS) hat als eine der ersten großen Untersuchungen zu diesem Thema belegt, dass eine Typ 2 Diabeteserkrankung allein durch die Änderung des Lebensstils verhindert bzw. verzögert werden kann. In einer neuen Auswertung der Studie sind Wissenschaftler jetzt der Frage nachgegangen, ob sich anhand bestimmter Blutwerte voraussagen lässt, welche diabetesgefährdeten Personen besonders gut auf „Lifestyle-Maßnahmen“ wie mehr Bewegung, Gewichtsabnahme und eine gesündere Ernährung reagieren. Im Mittelpunkt der Forschung standen verschiedene Entzündungsmarker, für die in der Vergangenheit ein enger Zusammenhang zum Typ 2 Diabetes gezeigt werden konnte.


Regelmäßige körperliche Aktivität
gehört zu einer gelungenen
Lebensstiländerung

Foto: TKK

In der Finnischen Diabetes-Präventionsstudie wurden damals 522 diabetesgefährdete Personen eingeschlossen: Alle Studienteilnehmer waren übergewichtig und wiesen bereits eine Glukoseverwertungsstörung (gestörte Glukosetoleranz, IGT) auf. Während die eine Hälfte der Teilnehmer lediglich einmal pro Jahr eine allgemeine Empfehlung für gesunde Ernährung und körperliche Aktivität erhielt (Kontrollgruppe), nahm die andere Hälfte an einem speziellen Lebensstil-Änderungsprogramm teil (Interventionsgruppe). Dazu gehörte eine Gewichtsabnahme um mindestens fünf Prozent, eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung sowie regelmäßige körperliche Aktivität (täglich eine mindestens 30-minütige mittelstarke körperliche Belastung). Die im Jahr 2001 veröffentlichten Ergebnisse der Studie waren beeindruckend: Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte die Rate der Diabeteserkrankungen bei dauerhafter Umstellung des Lebensstils mit mehr Bewegung, gesünderer Ernährung und Gewichtsabnahme um 58 Prozent gesenkt werden. Das Risiko für einen Typ 2 Diabetes war dabei umso niedriger, je konsequenter die Änderung des Lebensstils umgesetzt wurde.

Die aktuelle Auswertung hat sich mit der Frage beschäftigt, ob sich voraussagen lässt, welche der diabetesgefährdeten Personen besonders von einer Lebensstiländerung profitieren. Hierfür analysierten Christian Herder und Kollegen vom Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf die Laborergebnisse für verschiedene Entzündungsmarker, die man zu Beginn der Finnischen Diabetes-Präventionsstudie gemessen hatte. Dies waren das C-reaktive Protein (CRP), Serum Amyloid-A, Interleukin-6, RANTES, der Makrophagen-Migrations-Inhibitions-Faktor (MIF) und lösliche interzelluläre Adhäsionsmoleküle.

Das Ergebnis der Analysen bestätigt, dass in vielen Fällen die Höhe bestimmter Entzündungsmarker tatsächlich den späteren Erfolg von Diabetes-Vorbeugungsmaßnahmen anzeigt. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 3,9 Jahren profitierten in der Interventionsgruppe vor allem jene Personen von einer konsequenten Änderung des Lebensstils, die zu Beginn der Studie niedrige RANTES- und hohe MIF-Spiegel aufwiesen. In der Kontrollgruppe ohne große Umstellung der Lebensgewohnheiten spielten die beiden Entzündungsmarker hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Hier zeigte sich stattdessen ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Höhe der gemessenen CRP-Spiegel und dem Risiko, an einem Typ 2 Diabetes zu erkranken: Die Personen mit einem erhöhten CRP-Spiegel zu Untersuchungsbeginn entwickelten in den darauffolgenden knapp vier Jahren auch am häufigsten einen Typ 2 Diabetes.


Diabetesgefährdete Personen mit niedrigen bzw. hohen Spiegeln der Entzündungsmarker RANTES und MIF sprechen besonders gut auf eine konsequente Lebensstiländerung mit mehr Bewegung, gesünderer Ernährung und Gewichtsabnahme an. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, hat gute Chancen, von einem Typ 2 Diabetes verschont zu bleiben.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Herder C, Peltonen M, Koenig W et al. Systemic immune mediators and lifestyle changes in the prevention of type 2 diabetes: results from the Finnish Diabetes Prevention Study. Diabetes 2006; 55: 2340-2346

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