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Weiterer Hinweis auf beteiligte Umweltfaktoren bei der Entstehung des Typ 1 Diabetes

(25.08.2006) Die Ursachen des Typ 1 Diabetes sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt, dass unter anderem erbliche Veranlagung eine Rolle spielt. Wenn zu dem genetischen Hintergrund verschiedenen Umweltfaktoren hinzukommen, zum Beispiel bestimmte Virusinfektionen, kann dies eine Fehlsteuerung des Immunsystems auslösen und schließlich zu einem Typ 1 Diabetes führen. In der bisher größten Studie zu diesem Thema haben Wissenschaftler aus Großbritannien die Bedeutung von Umweltfaktoren für die Entstehung des Typ 1 Diabetes erneut untersucht. Die Ergebnisse wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift Diabetologia veröffentlicht.


Foto: AOK-Bundesverband

Der Diabetes mellitus Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland derzeit 21.000 bis 24.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19 Jahren betroffen, und jährlich wächst die Zahl um rund weitere drei Prozent an. Bei der Typ 1 Diabetesform zerstören Autoimmunprozesse die insulinherstellenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. In der Folge wird der Betroffene insulinpflichtig, das heißt er muss sich das lebensnotwendige Insulin von außen zuführen.

Das Team um Richard McNally von den Universitäten in Newcastle und Leeds, UK, analysierte die Daten von 4.008 Typ 1 Diabetikern aus dem Bevölkerungsregister von Yorkshire. Hierunter befanden sich 3.019 Kinder bis 14 Jahre, die zwischen 1978 und 2002 in Yorkshire wohnten und 989 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 29 Jahren, die von 1991 bis 2002 in West Yorkshire lebten. Das Ziel der Wissenschaftler war es, mit Hilfe statistischer Methoden sogenannte Raum-Zeit-Cluster für die Häufung von Typ 1 Diabeteserkrankungen aufzuspüren. Beim Raum-Zeit-Clustering wird nach einer größeren Zahl von Fällen in einem kleinen Gebiet und einem begrenzten Zeitraum gesucht. Tatsächlich fand sich für Kinder und Jugendliche, bei denen der Typ 1 Diabetes innerhalb der ersten 19 Lebensjahre auftrat, eine deutliche Häufung der Erkrankung in bestimmten Regionen und Zeiträumen: In den entsprechenden Clustern deckten die Wissenschaftler bei den 10- bis 19-Jährigen sechs bis sieben Prozent mehr Diabetesfälle auf, als für diese Altergruppe normalerweise zu erwarten gewesen wäre.

Die Häufungen beim Raum-Zeit-Clustering bestätigen, dass Umweltfaktoren die Entstehung einer Typ 1 Diabeteserkrankung beeinflussen zumindest, wenn der Diabetes im Kindes- oder Jugendalter auftritt. Die Wissenschaftler vermuten, dass vor allem bestimmte Infekte zusammen mit einer erblichen Veranlagung die Entstehung des Typ 1 Diabetes fördern. Unklar ist jedoch weiterhin, um welche Infekte es sich dabei genau handelt und welche weiteren Umweltfaktoren ebenfalls eine Rolle spielen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik desDeutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: McNally RJ, Feltbower RG, Parker L et al. Space-time clustering analyses of type 1 diabetes among 0- to 29-year-olds in Yorkshire, UK. Diabetologia 2006; 49: 900-904

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