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Migräne-Attacken sind bei Übergewichtigen häufiger und schwerer

(02.06.2006) Schätzungen zufolge leiden etwa 10 Prozent der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen unter Migräne. Man versteht darunter einen anfallsartig und wiederholt auftretenden Kopfschmerz, der häufig mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Bei manchen Betroffenen werden Migräne-Attacken von einer sogenannten Aura (Zeichen einer vorübergehenden Hirnfunktionsstörung) eingeleitet. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.


Frauen leiden zwei- bis dreimal
häufiger an Migräne

Foto: DAK

In der Vergangenheit wurde oft darüber spekuliert, ob ein Zusammenhang zwischen den quälenden Kopfschmerzattacken und Übergewicht besteht und ob Übergewichtige im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung öfter von einer Migräne-Erkrankung betroffen sind. Laut einer aktuellen Untersuchung aus den USA ist dies nicht der Fall. Allerdings müssen Übergewichtige mit Migräne offenbar mehr „aushalten“: Im Vergleich zu ihren normalgewichtigen Leidensgenossen treten die Migräne-Anfälle häufiger auf und verlaufen im Durchschnitt auch schwerer.

Wissenschaftler um Marcelo Bigal vom Albert Einstein College of Medicine in New York haben mehr als 30.000 Telefon-Interviews geführt, in denen sie Angaben zu Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht und ausführliche Informationen zur Häufigkeit, Schwere und dem Beschwerdebild von Kopfschmerzen abfragten. Fast 3.800 der kontaktierten Personen litten unter Migräne-Attacken. Das Durchschnitts-Alter der Betroffenen lag bei 38,4 Jahren und 65 Prozent waren Frauen.

Alle Teilnehmer wurden einer der fünf folgenden Gewichtsgruppen zugeordnet.
Gruppe 1: Untergewicht (BMI < 18,5)
Gruppe 2: Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9)
Gruppe 3: Übergewicht (BMI 25 bis 29,9)
Gruppe 5: Fettleibigkeit (BMI 30 bis 34,9) und
Gruppe 5: starke Fettleibigkeit (BMI 35,0 oder mehr).

Die statistische Analyse der Daten ergab, dass in allen Gruppen ein etwa ähnlich hoher Prozentanteil von einer Migräne-Erkrankung betroffen war. Beim alleinigen Vorkommen von Migräne ließ sich somit kein Zusammenhang zum Gewicht herstellen. Allerdings zeigten die Ergebnisse, dass die Zeitabstände zwischen den einzelnen Migräne-Attacken umso kürzer waren, je mehr Gewicht die betroffene Person auf die Waage brachte: Während von den Normalgewichtigen nur 4,4 Prozent von häufigen Kopfschmerzattacken (10-15 pro Monat) betroffen war, lag die Quote in der Gruppe der Fettleibigen und stark Fettleibigen (s.o.) bereits bei 13,6 bzw. 20,7 Prozent.

Auch das Beschwerdebild war bei Übergewicht meist ausgeprägter: Der Anteil der Personen mit sehr starken Kopfschmerzen stieg mit zunehmender Gewichtsgruppe an und war unter den stark Fettleibigen etwa doppelt so hoch als bei normalgewichtigen Personen. In einer weiteren Studie wollen die Wissenschaftler nun prüfen, ob sich umgekehrt durch Gewichtsabnahme ein positiver Effekt auf die Häufigkeit und Schwere von Migräne-Attacken erreichen lässt.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Bigal ME, Liberman JN, Lipton RB. Obesity and migraine: a population study. Neurology 2006; 66: 545-550

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