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Saurer Urin beim Typ 2 Diabetes erhöht das Risiko für Nierensteine

(15.05.2006) Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sind Menschen mit einem Typ 2 Diabetes auffällig oft von einer Nierensteinerkrankung betroffen. Verschiedene Studien in der Vergangenheit haben das erhöhte Nierenstein-Risiko vor allem auf das Zuviel an Pfunden zurückgeführt, das die meisten Typ 2 Diabetiker auf die Waage bringen. Übergewicht allein scheint jedoch nicht ausschlaggebend zu sein – zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler in einer aktuellen Studie, die in den USA durchgeführt wurde.

Das Forscherteam um Mary Ann Cameron von der Universität in Texas, Southwestern Medical Center Dallas, untersuchte drei verschiedene Personengruppen:

  • 24 Patienten mit einem Typ 2 Diabetes,
  • 8 Patienten ohne Diabetes mit Nierensteinen (Harnsäuresteine) und
  • 59 freiwillige Versuchspersonen, bei denen weder ein Diabetes noch eine Nierensteinerkrankung vorlagen.

Alle Teilnehmer unterzogen sich einer Nüchtern-Blutabnahme und gaben eine über 24 Stunden gesammelte Urinprobe (24-Stunden-Urin) ab.

Nierensteine sind Ablagerungen in der Niere und den ableitenden Harnwegen. Sie bestehen aus Mineralsalzen, die normalerweise über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden werden. Unter bestimmten Bedingungen kristallisieren diese Salze aus und bleiben in der Niere und/oder in den ableitenden Harnwegen liegen. Besonders häufig sind die sogenannten Harnsäuresteine.

Der Urin der Studienteilnehmer wurde auf verschiedene Risikofaktoren für die Bildung von Nierensteinen untersucht. In allen drei Gruppen waren die Befunde ähnlich, was die Menge des 24-Stunden-Urins und den gesamten Harnsäuregehalt betraf. Auffällige Unterschiede gab es jedoch beim Urin pH: Hier zeigten Typ 2 Diabetiker und Nierenstein-Patienten vergleichsweise deutlich niedrigere Werte und damit einen besonders sauren Urin. Ein hoher Säuregehalt im Urin ist eine der Hauptursachen für die Bildung von Harnsäuresteinen.

Bei einem Vergleich der Urin-pH-Werte mit dem Körpergewicht bestätigte sich zunächst die Beobachtung verschiedener Studien aus der Vergangenheit: Je mehr Kilos dokumentiert wurden, umso niedriger lag der pH-Wert, das heißt umso saurer war der Urin. Was die Wissenschaftler allerdings überraschte: Nachdem der Einflussfaktor Gewicht aus allen Ergebnissen „herausgerechnet“ (adjustiert) wurde, blieb trotzdem ein statistisch signifikante Zusammenhang zwischen Typ 2 Diabetes, niedrigem Urin-pH und Nierensteinrisiko bestehen (p < 0.01).


Der Hauptrisikofaktor für Nierensteine (Harnsäuresteine) beim Typ 2 Diabetiker ist ein saurer Urin mit entsprechend niedrigem Urin-pH. Übergewicht (und auch eine hohe Säurezufuhr mit der Nahrung, z. B. über viel Fleisch) können zur Erniedrigung des Urin pH-Wertes beitragen, erklären aber nicht das gesamte Risiko. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, welche weiteren Gründe es für den überdurchschnittlich sauren Urin beim Typ 2 Diabetes gibt. Dabei soll auch nach Faktoren geforscht werden, die sich möglicherweise schützend auswirken können, denn das Problem Nierensteine betrifft zwar viele, aber längst nicht alle Typ 2 Diabetiker.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Cameron MA, Naim M. Maalouf NM et al. Urine composition in type 2 diabetes mellitus: Predisposition to uric acid nephrolithiasis. J Am Soc Nephrol 2006; 17: 1422-1428

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