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Aspirin beugt möglicherweise Augenschäden bei Diabetes vor

(27.03.2006) Aspirin (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure) ist nicht „nur“ ein bewährtes Medikament gegen Kopfschmerzen. In niedriger Dosierung (ca. 100 mg/Tag) wird Acetylsalicylsäure auch eingesetzt, um gefährlichen Herz-Kreislauf-Komplikationen vorzubeugen. Besonders Menschen mit einem Typ 2 Diabetes können von einer dauerhaften, niedrigdosierten Aspirin-Einnahme profitieren.

Retinopathie
Eine kleine Dosis Aspirin scheint
auch die winzigen Gefäße an
Augenhintergrund schützen zu
können

Bei Typ 2 Diabetikern ist das Risiko für einen Herzinfarkt, Herzversagen oder einen Schlaganfall besonders hoch. Eine fortschreitende Gefäßverkalkung (Atherosklerose) verursacht ganz kleine – für das Auge z. T. nicht sichtbare –Gefäßwandveränderungen, auf deren Boden sich Blutplättchen verklumpen und Thromben bilden können. Bei entsprechender Größe verschließen solche Thromben das Gefäß und verursachen so einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Durch die Einnahme von niedrigdosiertem Aspirin unter ärztlicher Kontrolle kann die Neigung zur gefährlichen Thrombusbildung im Gefäß verringert werden.

Seit einigen Jahren wird diskutiert, ob die Einnahme von niedrigdosiertem Aspirin nicht nur zur Vorbeugung von Komplikationen an den großen Gefäßen, sondern auch bei Erkrankungen der kleinen Gefäße – den sogenannten Mikroangiopathien –möglicherweise sinnvoll ist. Mikroangiopathien am Auge, bei der Retinopathie, oder an der Niere, bei der Nephropathie, gehören zu den typischen Langzeitkomplikationen einer Diabeteserkrankung. Neue Studienergebnisse zum Einfluss von Aspirin bei der diabetischen Retinopathie haben vor kurzem Wissenschaftler um Mara Lorenzi von der Harvard Medical School in Boston veröffentlicht.

Die diabetische Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut – dem Teil des Auges, der die Bilder, die wir sehen, wahrnimmt und die Informationen weiter an das Gehirn leitet. Bei einem langjährigen und nicht gut eingestellten Diabetes kann es zu chronischen Durchblutungsstörungen in den kleinen Gefäßen der Netzhaut kommen. Die Zellen, die die kleinen Blutgefäße auskleiden, werden durch die überhöhten Zuckerspiegel geschädigt und sterben ab. Es kommt zu Gefäßverschlüssen und zu Aussackungen der kleinen Gefäße. Im weiteren Verlauf bilden sich krankhaft neue Gefäße, die aus der Netzhaut in den Glaskörper wuchern. Die diabetische Retinopathie geht mit einer Beeinträchtigung des Sehens und unter Umständen sogar mit einem kompletten Sehverlust einher: Das Risiko, zu erblinden, ist für Diabetiker viermal höher als für Menschen ohne Diabeteserkrankung.

Die Studiengruppe um Lorenzi hat bei diabetischen Ratten geprüft, wie sich die niedrigdosierte Gabe von Aspirin auf die kleinen Gefäße in der Netzhaut auswirkt. Eine Vergleichsgruppe erhielt statt Acetylsalicylsäure die Substanz Clopidogrel. Letztere wird ebenfalls zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt: Clopidogrel verhindert die Aneinanderlagerung von Blutplättchen und wirkt so der gefährlichen Thrombenbildung entgegen. Die Forscher fanden heraus, dass bei den Versuchsratten, die Aspirin erhielten, deutlich weniger Zellen in den kleinen Netzhautgefäßen zugrunde gingen als bei den Tieren, die Clopidogrel bekamen. Ebenso verhinderte Aspirin die krankhafte Neubildung von Gefäßen, die ebenfalls ein großes Problem bei der diabetischen Retinopathie darstellt.


Eine tägliche kleine Dosis Aspirin (nur unter ärztlicher Kontrolle!) könnte möglicherweise nicht nur Herz-Kreislaufereignissen, sondern auch der gefürchteten diabetischen Retinopathie vorbeugen. In einem nächsten Schritt muss nun geklärt werden, welche Dosen beim Menschen ausreichend sind, um von dem schützenden Effekt für die Augen zu profitieren. Im Vordergrund steht bei der Bekämpfung der diabetischen Retinopathie aber nach wie vor die optimale Einstellung des Blutzuckers und des Blutdrucks – der Einsatz von Aspirin wäre lediglich eine weitere Schutzmaßnahme.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Sun W, Gerhardinger C, Dagher Z et al. Aspirin at Low-Intermediate Concentrations Protects Retinal Vessels in Experimental Diabetic Retinopathy Through Non–Platelet-Mediated Effects. Diabetes 2005; 54: 3418-3426

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