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Hochnormale Blutzuckerwerte weisen auf erhöhtes Diabetesrisiko hin

(06.03.2006) Blutzuckerwerte, die noch im oberen Rahmen des „Normalen“ liegen, können schon nicht mehr „normal“ sein. Verknüpft mit einigen weiteren Risikofaktoren können hochnormale Werte bei gesunden Männern helfen, ein mögliches erhöhtes Risiko für Diabetes vorauszusagen. Das ergab eine israelische Studie von Amir Tirosh und Kollegen vom Sheba Medical Center in Tel-Hashomer.

Blutabnahme

Der Internist und sein Team untersuchten 13.163 Männern gesunde Soldaten im Alter zwischen 26 und 45 Jahren. Im anschließenden Follow-Up, der Zeit der Nachuntersuchungen, entwickelten 208 der Teilnehmer einen Typ 2 Diabetes. Der Follow-Up-Zeitraum betrug im Schnitt 5,7 Jahre. Insgesamt wurden in der im New England Journal of Medicine publizierten Studie 74.309 Personenjahre beobachtet. Aktuell gelten nüchterne Plasmaglukosespiegel unter 100 mg/dl (5,55 mmol/l) nach amerikanischen Leitlinien als normal. Hierzulande liegt der Wert bei 110 mg/dl. Alle nüchtern im Plasma gemessenen Werte zwischen 110 und 125 mg/dl (6 – 6,9 mmol/l) gelten als prädiabetisch oder auch abnorme Nüchtern-Glykämie genannt.

Nachdem die Untersucher Alter, familiäre Vorbelastung, Körpermassenindex (BMI) Trigyceride, Grad körperlicher Aktivität und Rauchen berücksichtigt hatten kam heraus: Ab einem Blutzuckerwert von 87 mg/dl (4,83 mmol/l) aufwärts ergab sich ein signifikant höheres Risiko einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln im Vergleich zu Personen mit initialen Blutzuckerwerten von 81 mg/dl (4,5 mmol/l ) und niedriger. Noch genauer in Kombination mit den Blutfetten betrachtet zeigte sich, dass ab einem Triglyceridspiegel von 150 mg/dl (1,69 mmol) zusammen mit einem Blutzucker von 91 - 99 mg/dl (5,05 - 55,5 mmol/l) eine um rund 8fach erhöhtes Risiko für eine spätere Diabetesentwicklung ergab. Ebenso lag ein um 8fach erhöhtes Diabetesrisiko vor, wenn der BMI mindestens 30 kg/m2 betrug und gleichzeitig die Blutzuckerwerte 91 - 99 mg/dl (5,05 - 55,5 mmol/l), verglichen mit Untersuchten, deren BMI unter 25 kg/m2 lag plus Blutzucker unter 86 mg/dl.


Höhernormale Plasmaglukose stellen einen Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes bei jungen, gesunden Männern dar. Die Blutglukoseuntersuchung kombiniert mit Triglyceriden und BMI betrachtet können herangezogen werden, um ein späteres Diabetesrisiko einschätzen zu können.

In dieser Studie wird überzeugend gezeigt, dass die willkürlich gezogene Grenze von 100mg/dl artifiziell und eher zu hoch angesetzt ist und Blutzuckernüchternwerte in Bezug auf späteres Diabetesrisiko ein Kontinuum darstellen. Zusätzlich zur Blutzuckermessung sind Triglyzeride und BMI wichtige Einflussgrössen in Bezug auf die spätere Diabetesentwicklung. Interessant wäre noch, den Einfluss der abdominellen Adipositas (Taillenumfang) abzuschätzen. In einem begleitenden Editorial rät R. A. Arky aus Boston, Personen mit hochnormalen Blutzuckerspiegeln (91 - 99 mg/dl) zur Veränderung der Lebensgewohnheiten im Sinne von Gewichtsreduktion und vermehrter körperlicher Aktivität aufzufordern. Dies sollte umso dringlicher erfolgen, wenn zusätzlich BMI und Triglyzeridspiegel erhöht sind.


PD Dr. med. Nanette C. Schloot, Kirsten Lindloff, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Klinik

Quelle: Tirosh A, Shai I, Tekes-Manova Det al. für die Israelische Diabetes- Forschungsgruppe; Tel-Hashomer, Israel Normal Fasting Plasma Glucose Levels and Type 2 Diabetes in Young Men N Engl J Med, 2005; 353:1454-62.

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