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Herzinfarktrisiko: Taillen-/Hüftumfang zur Vorhersage besser geeignet als BMI

(20.01.2006) Das Thema Übergewicht ist in aller Munde: Nahezu täglich werden Hintergrundinformationen, neue Zahlen und Ergebnisse aus der Forschung veröffentlicht. Tatsächlich hat die Übergewichts-Problematik im vergangenen Jahrzehnt weltweit ein bedrohliches Ausmaß angenommen – Tendenz steigend. Neben zahlreichen anderen gesundheitlichen Störungen ist das Zuviel an Pfunden auch wesentlich an den „Wohlstandskrankheiten“ Typ 2 Diabetes und Atherosklerose (Arterienverkalkung) mit Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall beteiligt.


Ob man in punkto
Fettverteilung "Birnen"- oder
"Apfel"- Typ ist wirkt sich
auch aufs Herz aus
Um das Ausmaß von Übergewicht einzuschätzen, wird in der Regel der sogenannte Body Mass Index (BMI) herangezogen: Ein Körpermassenindex, der das Körpergewicht eines Menschen im Verhältnis zu seiner Größe bewertet. Ein erhöhter BMI geht auch mit einem Anstieg des Herzkreislaufrisikos – und damit des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos – einher.

Wissenschaftler um Prof. Dr. Salim Yusuf, Leiter der kardiologischen Abteilung an der kanadischen McMaster Universität, haben im Rahmen einer großen Multizenterstudie Risikofaktoren für den Herzinfarkt untersucht. Dabei stellten sie fest, dass das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang noch eine präzisere Risikovorhersage ermöglicht als der Body Mass Index. An der sogenannten INTERHEART-Studie nahmen 27.098 Personen aus 52 Ländern teil: 12.461 Personen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten und 14.637 Herzgesunde gleichen Alters bzw. Geschlechts.

Wie erwartet, zeigte sich für BMI-Werte im oberen Bereich zunächst ein statistisch signifikanter Zusammenhang zum Herzinfarktrisiko. Dieser Zusammenhang war jedoch nicht mehr nachweisbar, nachdem andere Risikofaktoren wie Rauchen, gestörte Fette, Bluthochdruck, Diabetes, Überernährung, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und psychosoziale Faktoren aus den Ergebnissen „herausgerechnet“ wurden. Ein Parameter, der unabhängig von den genannten Risiken weiterhin mit dem Herzinfarktrisiko eng verknüpft blieb, war hingegen das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang, auch WHR (Waist-to-Hip Ratio) genannt. Studienteilnehmer im höchsten Viertel der gemessenen WHR-Werte erlitten etwa 2,5 mal häufiger einen Herzinfarkt als Personen mit WHR-Werten im untersten Viertel. Bei den BMI-Werten im höchsten Viertel war das Herzinfarkt-Risiko hingegen „nur“ um etwas mehr als das 1,4-fache erhöht.

Die Ergebnisse der Studie bedeuten auch, dass Personen mit einem normalen oder nur leicht erhöhten BMI trotzdem ein hohes Herzinfarktrisiko haben können – nämlich dann, wenn zu viel Fett um die Körpermitte vorhanden ist, ein großer Taillenumfang vorliegt. Ein weiterer Vorteil der WHR-Messung ergibt sich aus der Tatsache, dass der Wert für das Verhältnis Taillen-/Hüftumfang in allen Alters- und auch ethnischen Gruppen den gleichen Aussagewert hat. Beim BMI hingegen ist der Wert je nach untersuchter Population und ethnischer Zugehörigkeit unter Umständen unterschiedlich zu interpretieren.


Das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang eignet sich insgesamt besser zur Vorhersage des Herzinfarktrisikos als der Body Mass Index. Für alle, die ihre WHR selber messen möchten: Der Taillenumfang wird im Stehen zwischen Rippenbogen und Beckenkamm gemessen, der Hüftumfang kann auf Höhe des Hüftknochens (am sogenannten Trochanter major) ermittelt werden. Anschließend wird der Taillenumfang durch den Hüftumfang geteilt. Ein Beispiel: Bei einem Taillenumfang von 80 cm und einem Hüftumfang von 100 cm beträt die WHR = 80 : 100 = 0,8. Ein erhöhtes Risiko besteht für Frauen bei einem Wert von mehr als 0,85 und für Männer bei einem Wert von mehr als 1,0.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Yusuf S, Hawken S, Ounpuu S et al. Obesity and the risk of myocardial infarction in 27.000 participants from 52 countries, a case-controlled study. Lancet 2005; 366: 1640-1649

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