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Insulinresistenz erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs

(30.01.2006) Untersuchungen der vergangene Jahre liefern Hinweise dafür, dass Menschen mit einer Typ 2 Diabeteserkrankung gehäuft an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken. Ob der bösartige Tumor Folge des Diabetes ist oder umgekehrt, blieb bisher jedoch ungeklärt. Amerikanische und finnische Wissenschaftler haben jetzt anhand einer großen Studie gezeigt, dass eine ausgeprägte Insulinresistenz und überhöhte Insulinspiegel für das erhöhte Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko verantwortlich sind. Letztere gehen typischerweise mit einem Typ 2 Diabetes einher.

Gewebe einer gesunden Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse
ist auch selbst durch chronisch
erhöhte Insulinspiegel bedroht

An Bauchspeicheldrüsenkrebs im Fachjargon Pankreaskarzinom erkranken in Deutschland jährlich etwa 13.000 Menschen. Dies entspricht einem Anteil von etwa sechs Prozent aller Krebserkrankungen, das heißt das Pankreaskarzinom ist ein eher seltener Tumor. Er gilt jedoch als sehr aggressive Krebserkrankung nicht umsonst rangiert dieser Tumor weit oben auf der Liste der Todesursachenstatistik. Wie bei allen bösartigen Krebsarten findet beim Pankreaskarzinom eine unkontrollierte Vermehrung krankhaft veränderter Zellen statt. Diese wuchern in angrenzendes gesundes Gewebe hinein und zerstören dieses. Einzelne Krebszellen können außerdem über das Blut oder die Lymphe in entferntere Organe gelangen (z. B. Leber, Lunge, Knochen) und hier Metastasen bilden.

Ende der 90er Jahre wurde im Rahmen der Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer (ATBC) Studie festgestellt, dass Diabetiker im Durchschnitt doppelt so häufig einen Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln als Personen ohne Diabeteserkrankung. An der finnischen Studie hatten damals 29.133 männliche Raucher im Alter zwischen 50 und 69 Jahren teilgenommen. Fünf Jahre nach Untersuchungsbeginn gab es unter den Teilnehmern 169 Fälle mit neu aufgetretenem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Ein Team um Rachael Z. Stolzenberg-Solomon vom National Cancer Institute in Rockville, USA, hat diese Krebspatienten und 400 weitere, aus der Studie zufällig ausgewählte Kontrollpersonen über einen Zeitraum von bis zu 16 Jahren nachbeobachtet. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Teilnehmer, die während der Studie an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt waren, zuvor überdurchschnittlich häufig erhöhte Insulin- und Glukosespiegel im Blut aufwiesen. Ebenso zeigten viele Betroffene eine Insulinresistenz, die zumindest in der Anfangsphase einer Typ 2 Diabeteserkrankung mit überhöhten Insulinspiegeln im Blut einhergeht. Bei Insulinresistenz sprechen die Körperzellen nicht mehr ausreichend auf das lebenswichtige Hormon Insulin an. Um die verringerte Wirksamkeit zu kompensieren, werden in der Bauchspeicheldrüse größere Insulinmengen hergestellt, so dass der Insulinspiegel im Blut ansteigt. Die Ergebnisse der Untersuchung von Stolzenberg-Solomon und seinen Kollegen zeigen, dass bei Personen, deren Insulinspiegel im höchsten Viertel aller gemessenen Werte lagen, das Risiko für ein Pankreaskarzinom doppelt so hoch war im Vergleich zu Teilnehmern mit Werten im untersten Viertel. Der statistisch signifikante Zusammenhang zwischen Insulinresistenz, überhöhten Insulinspiegeln und dem Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, blieb auch nach dem Herausrechnen anderer möglicher Einflussfaktoren bestehen (z. B. Alter, Raucherjahre und Gewicht bzw. Body Mass Index).


Insulinresistenz und die daraus resultierenden überhöhten Insulinspiegel sind offenbar ein bedeutender Risikofaktor für das Pankreaskarzinom. In einem nächsten Schritt ist nun zu prüfen, ob Maßnahmen zur Verringerung von Insulinresistenz zum Beispiel durch eine Veränderung des Lebensstils mit gesünderer Ernährung, mehr Bewegung und gegebenenfalls Gewichtsabnahme auch als vorbeugende Maßnahme gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzt werden können.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Stolzenberg-Solomon RZ, Graubard BI, Chari S et al. Insulin, Glucose, Insulin Resistance, and Pancreatic Cancer in Male Smokers. JAMA 2005; 294: 2872-2878

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