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ROSSO-Studie zur Selbstmessung der Blutglukose

Bereits in der Vergangenheit haben Diabetologen auf die Vorteile der Blutzucker- Selbstkontrolle für ein erfolgreiches Diabetesmanagement hingewiesen. Die eigenverantwortliche Selbstmessung der Blutglukose (SMBG) vermittelt dem Betroffenen selbst jederzeit und unmittelbar, wie bestimmte Verhaltensweisen sich auf seine Blutzuckerwerte auswirken. Aktuell wird diskutiert, inwieweit SMBG einen positiven Einfluss auf den Surrogatparameter HbA1c hat. Keine Studie hat jedoch bislang untersucht, welchen Einfluss SMBG auf Morbidität (Erkrankungshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) besitzt.


Hintergrund

Bereits in der Vergangenheit haben Diabetologen auf die Vorteile der Blutzucker- Selbstkontrolle für ein erfolgreiches Diabetesmanagement hingewiesen. Die eigenverantwortliche Selbstmessung der Blutglukose (SMBG) vermittelt dem Betroffenen selbst jederzeit und unmittelbar, wie bestimmte Verhaltensweisen sich auf seine Blutzuckerwerte auswirken. Aktuell wird diskutiert, inwieweit SMBG einen positiven Einfluss auf den Surrogatparameter HbA1c hat. Keine Studie hat jedoch bislang untersucht, welchen Einfluss SMBG auf Morbidität (Erkrankungshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) besitzt.

Zielsetzung:

In der ROSSO-Studie (Retrolective Study Self-Monitoring of Blood Glucose and Outcome in Patients with Type 2 Diabetes) wurde der Zusammenhang zwischen Blutglukose-Selbstkontrolle und Erkrankungsrate und Sterblichkeit erstmals untersucht. Bei früheren Studien zur Effektivität der SMBG wurden in erster Linie die HbA1c-Werte der Patienten aus Studien- und Kontrollgruppe miteinander verglichen. Bei der ROSSO-Studie wurde die Fragestellung erstmals anhand „harter Endpunkte“ untersucht. Die definierten nicht-tödlichen Endpunkte (Morbidität) waren Myokardinfarkt, Schlaganfall, Amputation, Erblindung oder die Notwendigkeit einer Hämodialysebehandlung. Für die Ermittlung der Sterblichkeitsrate wurden alle Todesfälle unabhängig von der jeweiligen Todesursache analysiert.

Design:

Die Daten für die multizentrische Kohortenstudie stammten aus 192 repräsentativen Hausarztpraxen im gesamten Bundesgebiet. Rund drei Viertel der Zentren waren allgemeinmedizinische und rund ein Viertel internistische Praxen. Die Studie dokumentierte alle Patienten in diesen Praxen, bei denen von 1995 bis 1999 erstmals ein Diabetes Typ 2 diagnostiziert wurde und die zum Zeitpunkt der Diagnose 45 Jahre oder älter waren. Nach Abschluss des Beobachtungszeitraums von acht Jahren (1995 bis 2003) lagen die Daten von 3.268 Patienten aus 192 Praxen vor, die das hausärztliche Klientel an Typ 2 Diabetikern widerspiegelten. Insgesamt wurden zirka 20.000 Patientenjahre analysiert.

Die Studie wurde von November 2003 bis Juni 2004 durch das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf in Kooperation mit dem Profil Institut für Stoffwechselforschung in Neuss durchgeführt. Von den insgesamt 3.268 Patienten kontrollierten 1.479 ihre Blutzuckerwerte selbst, 1.789 taten dies nicht. In den Statistiken wurden die Morbiditäts- und Mortalitätsraten von Patienten, die ihren Blutzucker seit mindestens einem Jahr selbst kontrollierten, verglichen mit den Daten von Patienten ohne entsprechende Blutzucker-Selbstkontrolle.

Ergebnisse:

Die Blutzucker-Selbstkontrolle senkt die Morbiditäts- und Mortalitätsrate von Typ 2 Diabetikern signifikant. Der positive Effekt der Selbstmessung ist das bei unabhängig vom aktuellen Therapieregime des Typ 2 Diabetikers: Für das Gesamtkollektiv ergaben die Studiendaten, dass das Morbiditätsrisiko in der Gruppe mit SMBG um etwa ein Drittel und das Mortalitätsrisiko sogar um etwa die Hälfte niedriger lag. Auch für die Subgruppe der Typ 2 Diabetiker, die nicht mit Insulin therapiert wurden, war das Morbiditätsrisiko ebenfalls um etwa ein Drittel und das Mortalitätsrisiko um rund 40 Prozent niedriger.

Die ROSSO-Studie hat damit gezeigt, dass die Blutzucker-Selbstkontrolle die Lebenserwartung und Lebensqualität von Patienten mit Typ 2 Diabetes deutlich steigern kann – und zwar unabhängig vom aktuellen Therapieregime des jeweiligen Diabetikers. Die SMBG ist deshalb als integraler Bestandteil eines modernen Diabetesmanagements bei Typ 2 Diabetes zu werten. Der Patient kann jederzeit und unmittelbar prüfen, welche Nahrungs- und Genussmittel und welche Verhaltensweisen sich günstig oder ungünstig auf seinen Blutzuckerspiegel auswirken. Dies verbessert seine Compliance und stärkt seine Eigenverantwortung.

Die Studienleiter sehen in der Blutzucker-Selbstkontrolle daher nicht nur eine wichtige Bewertungsgrundlage für den Erfolg der ärztliche Therapie bzw. der Lebensführung des Patienten, sondern auch ein Motivationsinstrument, das sich positiv auf den Lebensstil des Typ 2 Diabetikers auswirkt und damit die Betreuung durch den behandelnden Arzt sinnvoll ergänzt.


Studienleitung: Prof. Dr. med. Stephan Martin, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Stand: 15. September 2005
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