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Jugendliche mit Metabolischem Syndrom: Gefäße in Gefahr?

(08.06.2005) Herz-Kreislauferkrankungen sind in den westlichen Industrienationen die Todesursache Nr. 1. Grundlage ist die gefährliche Arterienverkalkung (Arteriosklerose, Atherosklerose), bei der sich über viele Jahre ein schwelender Entzündungsprozess in der Gefäßwand abspielt. Um eine solche chronische Entzündung nachzuweisen, kann zum Beispiel das CRP (= C-reaktives Protein) im Blut gemessen werden. Experten sprechen auch von einer Bestimmung des hochsensitiven CRP (= hsCRP): Während sehr hohe Werte auf einen akuten Infekt hindeuten, spricht ein nur leicht erhöhter CRP-Spiegel für eine chronische, schwelende Entzündung – zum Beispiel in der Gefäßwand.


Arteriosklerose

Liegt der CRP-Wert über dem Normalbereich, kann dies auf ein erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko hinweisen: Die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, plötzlichen Herztod oder Schlaganfall ist bei den Betroffenen größer als in der Normalbevölkerung.

Auch bei Erwachsenen mit einem Metabolischen Syndrom finden sich oft CRP-Werterhöhungen als Hinweis auf einen chronischen entzündlichen Prozess in der Gefäßwand. Das Metabolische Syndrom gilt als Wegbereiter sowohl für den Typ 2 Diabetes als auch für Herz-Kreislauferkrankungen. Dabei handelt es sich um das gemeinsame Auftreten bestimmter gefäßschädigender Gesundheitsstörungen, die eng miteinander verknüpft sind und wahrscheinlich sogar eine gemeinsame Ursache haben. Im Speziellen gehören zum Metabolischen Syndrom Übergewicht (vor allem im Bauchbereich), Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Störungen im Zuckerstoffwechsel bzw. Insulinresistenz. Das Metabolische Syndrom ist vermutlich erblich bedingt. Allerdings kommt es erst unter dem Einfluss von übermäßiger und ungesunder Ernährung sowie ungenügender körperlicher Aktivität zum Tragen.

Wissenschaftler aus den USA sind nun der Frage nachgegangen, ob auch Kinder mit Metabolischem Syndrom bereits durch erhöhte CRP-Spiegel gefährdet sind. Hierfür untersuchten sie 1.366 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Ein Metabolisches Syndrom wurde diagnostiziert, wenn mindestens drei der folgenden fünf Kriterien zutrafen: überdurchschnittlich großer Taillenumfang (> 90. Perzentile), erhöhte Nüchtern-Triglyzeride (> 100 mg/dl), zu niedriges HDL-Cholesterin (< 40 mg/dl), Nüchtern-Blutzucker > 110 mg/dl und erhöhter systolischer oder diastolischer Blutdruck (> 90. Perzentile).

Das Ergebnis: Bei insgesamt 5,2 Prozent aller untersuchten Jugendlichen lag ein Metabolisches Syndrom vor. Dabei waren Jungen etwas öfter betroffen (6,3 Prozent) als Mädchen (4,1 Prozent).

Bei der Blutuntersuchung zeigten die Jugendlichen mit Metabolischem Syndrom im Vergleich zu ihren „gesunden“ Altersgenossen etwa viermal häufiger eine CRP-Erhöhung. Die CRP-Spiegel lagen hier im Durchschnitt fast dreimal höher. Interessanterweise war der CRP-Wert in allen Fällen nur bei den Jugendlichen erhöht, die auch einen überdurchschnittlich großen Taillenumfang hatten (= Ausdruck von Übergewicht im Bauchbereich). Bereits in der Vergangenheit gab es Untersuchungen, die eine enge Verknüpfung zwischen Übergewicht im Kindes- und Jugendalter und erhöhten CRP-Werten aufzeigen konnten.

Herz-Kreislauferkrankungen mit Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall haben ihre Wurzeln unter Umständen schon im Kindes- und Jugendalter. Die Wissenschaftler erhoffen sich von den Ergebnissen dieser und weiterer geplanter Studien, zukünftig Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Gefäßrisiko früher zu identifizieren, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Ford ES, Ajani UA, Mokdad AH: The Metabolic Syndrome and Concentrations of C-Reactive Protein Among U.S. Youth. Diabetes Care 2005; 28: 878-881

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