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Männer können am Bauchumfang ihr Typ 2 Diabetesrisiko erkennen

(09.05.2005) Der Typ 2 Diabetes ist eine tückische Erkrankung: Er kommt leise, bleibt oft über Jahre unentdeckt und stellt eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit dar. Meist bedeutet er sehr viel mehr als „nur“ erhöhte Blutzuckerwerte. Ein über Jahre unbemerkter und nicht behandelter Diabetes stellt eine erhebliche Gefahr für Gefäße und Nerven dar. Folgen können Herz-Kreislauferkrankungen, Schäden an Nieren und Augen sowie gefährliche Durchblutungsstörungen in den Füßen und Beinen sein.

Dicker Bauch
Je größer der gemessene
Bauchumfang, umso höher ist
die Wahrscheinlichkeit, in den
nächsten Jahren, einen Typ 2
Diabetes zu entwickeln

Oft finden sich bei Typ 2 Diabetikern oder diabetesgefährdeten Personen gleich mehrere Störungen, die vor allem das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel zu hohe Blutdruckwerte, gestörte Fette und Übergewicht (vor allem die überflüssigen Pfunde im Bauchbereich sind problematisch). Die genannten Störungen sorgen gemeinsam dafür, dass sich an den Gefäßen gefährliche kalkartige Ablagerungen bilden (= Arterienverkalkung bzw. Arteriosklerose). Im ungünstigsten Fall lösen sich Teile solcher Ablagerungen und verstopfen ein nachgeschaltetes kleineres Blutgefäß – die bedrohliche Folge kann zum Beispiel ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.

Heutzutage gibt es vielfältige Möglichkeiten, eine Typ 2 Diabeteserkrankung erfolgreich in den Griff zu bekommen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Diabetes so früh wie möglich erkannt wird: Nur wer um die Gefahr weiß und rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreift, kann sich vor bedrohlichen Folgeschäden schützen.

Wissenschaftler um Dr. Youfa Wang von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore, USA, schlagen eine ganz einfache Methode zur Vorhersage des Typ 2 Diabetesrisikos vor: Das Messen des Bauchumfangs mit einem Maßband.

Erst vor kurzem veröffentlichten Wang und seine Kollegen die Ergebnisse einer Studie, die untersucht hat, anhand welcher Parameter sich das Typ 2 Diabetesrisiko am besten vorhersagen lässt. An dem Projekt nahmen insgesamt 27.270 Männer – allesamt Beschäftigte im US-Gesundheitssystem – teil. Während einer Beobachtungszeit von 13 Jahren entwickelten 884 Personen eine Typ 2 Diabeteserkrankung. Die Wissenschaftler verglichen bei allen Teilnehmern den Bauchumfang, den Quotienten aus Taillen- und Hüftumfang (sog. Waist-Hip-Ratio, WHR) und den Body Mass Index (BMI; Verhältnis von Körpergewicht zu Körperlänge).

Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass der Zusammenhang zwischen Bauchumfang und späterer Diabeteserkrankung tatsächlich am ausgeprägtesten war: Je größer der gemessene Bauchumfang, umso höher war die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Jahren einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln. Umgerechnet waren 84 Prozent aller Diabeteserkrankungen bei Männern mit einem Bauchumfang von 95 cm oder mehr aufgetreten. Männer mit einem Bauchumfang zwischen 102 und 158 cm waren zwölfmal (!) so häufig von einem Typ 2 Diabetes betroffen als Männer, bei denen die Werte zwischen 74 und 86 cm lagen.

Fett ist nicht gleich Fett. Die „bauchbetonte“ Fettsucht ist ein bedeutender Schrittmacher für das gefährliche Metabolische Syndrom (= gemeinsames Auftreten von erhöhten Blutzuckerwerten, Übergewicht, Bluthochdruck und/oder gestörten Fetten): Von den Fettdepots im Bauchbereich werden besonders viele Substanzen an das Blut abgegeben, die den Fettstoffwechsel aus dem Lot bringen, die Blutgefäße schädigen und einen Typ 2 Diabetes fördern.

Allgemein wurde bei Männern bisher erst ein Bauchumfang ab 102 cm als „gefährlich“ eingestuft. Aufgrund ihrer aktuellen Ergebnisse schlagen Wang und Kollegen jetzt vor, diesen Grenzwert zukünftig auf 95 cm herabzusetzen.

Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Wang Y, Rimm EB, Stampfer MJ et al.: Comparison of abdominal adiposity and overall obesity in predicting risk of type 2 diabetes among men. Am J Clin Nutr 2005; 81: 555-563

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