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Insulinresistenz in der Praxis erkennen

(07.03.2005) Die Insulinresistenz (= verminderte Ansprechbarkeit auf das Hormon Insulin) ist eine der wesentlichen Grundlagen der Typ 2 Diabeteserkrankung. Gleichzeitig fördert sie die Entstehung von Herzkreislauf-Erkrankungen mit bedrohlichen Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das möglichst frühzeitige Erkennen dieser Störung ist daher von entscheidender Bedeutung. Eine exakte Messung von Insulinresistenz ist jedoch ein äußerst aufwendiger und in der Praxis kaum durchführbarer Prozess. Daher wird für die Diagnosestellung auf indirekte Hinweise wie Laborwerte, die Krankheitsvorgeschichte des Patienten und seiner Familie sowie äußere Aspekte wie Gewicht und Fettverteilungsmuster zurückgegriffen.

Labor

Eine internationale Studiengruppe hat vor kurzem Daten von 2.321 Personen (davon 183 Diabetiker) aus Europa und den USA analysiert, um hieraus einfache Entscheidungsmodelle für die Insulinresistenz-Diagnostik zu entwickeln. Alle Teilnehmer hatten sich im Rahmen verschiedener klinischer Studien in der Vergangenheit einer Insulinresistenzmessung im sogenannten euglykämisch-hyperinsulinämischen Clamp-Test unterzogen. Mindestens jeder fünfte der untersuchten Nicht-Diabetiker (23 Prozent) stellte sich dabei als insulinresistent heraus. In der Gruppe der Diabetiker waren mehr als 90 Prozent von einer Insulinresistenz betroffen.

Der Clamp-Test gilt als wissenschaftlich fundierteste Methode, um Insulinresistenz zu messen – aufgrund des hohen Kosten- und Zeitaufwandes kommt er allerdings nur bei klinischer Forschungstätigkeit zum Einsatz. Die Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse aus dem Clamp-Test mit verschiedenen Laborwerten, dem Gewicht und der Familienanamnese der Studienteilnehmer. Dabei stellten sie fest, dass unter anderem die Werte für Nüchtern-Insulin, das Körpergewicht im Verhältnis zur Körperlänge (sogenannter Body Mass Index = BMI), das Vorkommen von Diabetes bei erstgradig Verwandten und die Triglyzeridwerte einer Person entscheidende Hinweise für das Vorliegen einer Insulinresistenz liefern. Hieraus entwickelte die Studiengruppe drei verschiedene Entscheidungsmodelle, um eine mäßig bis stark ausgeprägte Insulinresistenz in der Praxis einfach und schnell zu erkennen.

Diagnosestellung anhand einer Blutuntersuchung (Nüchtern-Insulin und Nüchtern-Glukose) und des Gewichts:
Ein vereinfachtes Verfahren, um Insulinresistenz zu bestimmen, ist der sogenannte HOMA-Index (HOMA = homeostasis model assessment). Um den HOMA-Index zu berechnen, werden die Werte für das Nüchtern-Insulin und die Nüchtern-Glukose (mmol/l) miteinander multipliziert und das Ergebnis durch 22,5 geteilt.

HOMA-Index = Insulin (µu/ml) x Glukose (mmol/l)
22,5

Eine Person ist mit großer Wahrscheinlichkeit insulinresistent, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  1. HOMA ist größer als 4,65 oder
  2. HOMA ist größer als 3,6 und der BMI größer als 27,5 kg/m2.

Diagnosestellung ausschließlich anhand von klinischen Zeichen:
Eine Person ist mit großer Wahrscheinlichkeit insulinresistent, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  1. Der BMI ist größer als 28,7 kg/m2 oder
  2. der BMI ist größer als 27,0 kg/m2 und die Person hat erstgradige Verwandte (Eltern, Geschwister) mit Diabetes.

Diagnosestellung anhand einer Blutuntersuchung der Fettwerte:
Eine Person ist mit großer Wahrscheinlichkeit insulinresistent, wenn die Triglyzeridspiegel oberhalb von 2,44 mmol/l (215 mg/dl) liegen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Klinik

Quelle:
Stern SE, Williams K, Ferrannini E et al.: Identification of Individuals With Insulin Resistance Using Routine Clinical Measurements. Diabetes 2005; 54: 333-339

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