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Typ 2 Diabetes: Entzündung möglicher Risikofaktor für Herzkranzgefäßerkrankungen

(27.12.2004) Die koronare Herzerkrankung (KHK) ist definiert als ein arteriosklerotischer Umbau (Verengung) der Herzkranzgefäße, der zu einem verminderten Blutfluss und in Folge dessen zu einer verminderten Sauerstoffversorgung der Herzmuskelzellen führt. Auf dieser Basis kann eine sogenannte Angina pectoris und im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt entstehen. Patienten mit einem Diabetes mellitus haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße zu versterben im Vergleich zu Patienten ohne Diabetes.

Herz des MenschenNeben den üblichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Rauchen werden weitere Faktoren diskutiert. Ein besonderes Augenmerk wird unter anderem auf die Mechanismen der Blutgefäß-Neubildung (Atherogenese) und die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) in den Blutgefäßen (Thrombogenese) gerichtet. Sehr häufig treten bei Personen mit Diabetes mellitus Störungen in der Blutstillung, beim Abbau von Blutgerinnseln (Fibrinolyse), zugleich aber auch eine erhöhte Bildung von Blutgerinnseln (Hyperkoagibilität) und eine vermehrte Ansammlung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) auf, die als mögliche Faktoren für ein erhöhtes Risiko einer Herzkranzgefäßerkrankung diskutiert werden. Eine besondere Rolle wird auch der sogenannten Insulinresistenz, der eingeschränkten Insulinempfindlichkeit des Gewebes zugesprochen. Mögliche Einflüsse auf die aktivierte Blutstillung und Entzündung werden diskutiert, die zur Entwicklung einer Herzkranzgefäßerkrankung beitragen können, wobei dies bisher nur bei Patienten mit Diabetes oder mit einer Herzkranzgefäßerkrankung untersucht wurde. Eine vergleichende Studie wurde bisher nicht durchgeführt.


Das Ziel einer kürzlich erschienenen britischen Studie war es, folgende Hypothesen zu prüfen:

  1. Patienten mit einer Herzkranzgefäßerkrankung und Diabetes haben gegenüber denen ohne Diabetes ein erhöhtes Risiko, einen Herzanfall zu erleiden.
  2. Patienten mit Diabetes und verstärkter Insulinresistenz haben gegenüber denen ohne ausgeprägte Insulinresistenz ein erhöhtes Risiko für eine Arteriosklerose (Gefäßverengung).

Untersucht wurden 4066 britische Männer im Alter zwischen 60 und 79 Jahren, die nicht unter einer medikamentösen Behandlung mit dem blutverdünnenden Mittel Warfarin (Marcumar®) oder Insulin standen. Von den eingeschlossenen Personen hatten 426 Patienten einen Typ 2 Diabetes und 842 Männer litten an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Untersucht wurden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Körpermassenindex (Body-Mass-Index, BMI), der Taillenumfang, die Rauchgewohnheiten, körperliche Aktivitäten, Alkoholgenuß, Blutdruckwerte sowie Blutfette. Weiterhin wurden verschiedene Faktoren, die bei der Blutstillung und einer Entzündung eine Rolle spielen, bestimmt.

Die Studie ergab folgende Ergebnisse:

  • Männer mit Typ 2 Diabetes wiesen meist verschiedene Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine erhöhte Konzentration von Markern der Blutstillung und Entzündung im Vergleich zu den Nicht-Diabetikern auf. Diese Ergebnisse waren unabhängig von einer vorhandenen Herzkranzgefäßerkrankung.
  • Verglichen mit Männern, die nur an einer Herzkranzgefäßerkrankung litten, wiesen Männer, die nur einen Diabetes mellitus hatten, insgesamt höhere Serum-Blutstillungs- und Entzündungswerte auf und hatten außerdem mehr Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel erhöhte Blutfettwerte (Dyslipoproteinämie).
  • Weiterhin wurde bei Männern mit Diabetes ein Zusammenhang zwischen erhöhter Insulinresistenz (eingeschränkte Insulinempfindlichkeit des Gewebes) und erhöhten Blutstillungsparametern erkannt.

Diese Studie zeigt an, dass Männer mit einem Typ 2 Diabetes nicht nur zur Dyslipoproteinämie (erhöhte Blutfettwerte), sondern auch zu einem aktivierten Prozess der Blutstillung und Entzündung neigen. Dies sind mögliche Faktoren, die zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich eines Herzinfarktes führen können.
Männer mit einem Diabetes, die eine erhöhte Insulinresistenz aufweisen, haben ein gesteigertes Risiko für Blutgerinnsel (arterielle Thrombosen) und Herzkranzgefäßerkrankungen im Vergleich zu Insulin-sensitiven Männern. Unterstützt werden diese Befunde durch die große britische, 1998 veröffentlichte Interventionsstudie (UKPDS – United Kingdom Prospektive Diabetes Study), die darüber berichtet, dass die Verbesserung der Insulinsensitivität durch Behandlung mit Metformin mit einer signifikanten Reduktion Diabetes-bedingter Folgeerkrankungen einhergeht. Hierzu zählen unter anderem die Gesamtsterblichkeit (Mortalität) sowie die Anzahl der Schlaganfälle bei übergewichtigen Patienten mit Typ 2 Diabetes.

Die Autoren der vorliegenden Studie kommen zu dem Schluss, dass eine Verbesserung der Insulinresistenz bei Männern mit Diabetes die Wahrscheinlichkeit, Blutgerinnsel zu bilden (Thrombose), reduziert. Hierdurch würde das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße sinken.

Es bleibt zu klären, ob die Reduktion der Insulinresistenz auf medikamentenfreiem Wege durch Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität oder mit Hilfe einer medikamentenbasierten Therapie, die die Aktivierung des Prozesses der Blutstillung und der Entzündung reduzieren, erzielt werden kann.


Dr. Patricia Schott-Ohly, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Quelle: Wannamethee SG et al. Insulin resistance, haemostatic and inflammatory markers and coronary heart disease risk factors in Type 2 diabetic men with and without coronary heart disease. Diabetologia 47: 1557-1565, 2004

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