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Atorvastatin reduziert Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Diabetikern um mehr als ein Drittel

(16.07.2004) Beim Amerikanischen Diabetes Kongress in Orlando (Florida, USA) wurden im Juni 2004 die vielbeachteten Ergebnisse der CARDS-Studie vorgestellt. Es handelt sich dabei um die erste und bisher einzige Endpunkt-Studie mit einem Statin bei Diabetikern ohne bekannte Erkrankung der Herzkranzgefäße (manifeste koronare Herzkrankheit) und mit gering bis leicht erhöhten Blutfettwerten. Dabei gelang es, mit der niedrigsten zugelassenen Dosierung von Atorvastatin (10 mg/Tag) die Häufigkeit von Herzinfarkten und Todesfällen bei koronarer Herzkrankheit um mehr als ein Drittel zu reduzieren.

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Besonders Menschen mit Typ 2 Diabetes tragen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dies trifft insbesondere für Patienten zu, die neben dem Diabetes auch andere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zigaretten rauchen, Mikroalbuminurie (gering vermehrte Ausscheidung von Albumin im Urin) oder Retinopathie (Erkrankung der Netzhaut im Auge) aufweisen.

In die CARDS-Studie wurden insgesamt 2.838 Patienten mit einem Typ 2 Diabetes und einem oder mehreren der oben genannten Risikofaktoren eingeschlossen und zufallsverteilt (randomisiert) entweder mit 10 mg Atorvastatin (Sortis®) oder mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt. Dabei sollte die Frage geklärt werden, ob durch die Statintherapie schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Tod durch Herzinfarkt, nicht tödlicher Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, Wiederbelebung nach Herzstillstand, Wiederherstellung der Gefäßversorgung des Herzens (koronare Revaskularisation) oder Schlaganfall vermieden werden können. Patienten mit mittelschweren oder schweren Fettstoffwechselstörungen (LDL-Cholesterin über 160 und / oder Triglyzeridspiegel über 600 mg/dl) wurden ausgeschlossen.

Die Studie war ursprünglich für einen Verlauf von sechs Jahren geplant, sie wurde aber auf Empfehlung des unabhängigen Steering-Committees der CARDS-Studie schon nach 3,9 Jahren vorzeitig beendet, da sich gezeigt hatte, dass die mit Atorvastatin behandelten Patienten eindeutig bessere Langzeitergebnisse aufwiesen.

Die multizentrische randomisierte Placebo-kontrollierte Outcome-Studie wurde auf dem Diabetes Kongress in Orlando von Frau Prof. Helen Colhoun (Dublin) vorgestellt. 1428 Patienten waren in der Atorvastatin-Gruppe und 1410 Patienten in der Placebo-Gruppe. Beide Gruppen waren sehr gut vergleichbar bezüglich Alter der Patienten, Body Mass Index (Körpermassenindex), Diabetesdauer, Blutdruckhöhe, Cholesterinspiegeln und anderer Risikofaktoren. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug etwa 62 Jahre, der Body Mass Index lag um 29 kg/m2 und bei Studienbeginn lag der LDL-Cholesterinspiegel in den beiden Gruppen im Durchschnitt bei 119 bzw. 118 mg/dl (3,1 mmol/l). Die Triglyzeridspiegel waren mit 150 mg/dl ebenfalls nur grenzwertig erhöht.

Wie erwartet wurden Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin durch die Behandlung mit 10 mg Atorvastatin pro Tag im Vergleich zu Placebo deutlich gesenkt: LDL-Cholesterin wurde um 46 mg/dl reduziert, während HDL-Cholesterin in beiden Gruppen unverändert blieb. Die Triglyzeridwerte wurden in der Atorvastatingruppe um 21 Prozent reduziert und blieben in der Placebogruppe konstant.

Das entscheidende Ergebnis war aber, dass das Auftreten schwerwiegender Herz-Kreislauf-Ereignisse durch die Behandlung mit Atorvastatin signifikant reduziert werden konnte. Im Verlauf der Beobachtungsdauer von durchschnittlich 3,9 Jahren traten unter Atorvastatin 83 Ereignisse auf, während unter Placebo 127 Ereignisse registriert wurden. Dies entspricht einer statistisch signifikanten relativen Risikoreduktion von 37 Prozent.

Beispielsweise traten unter Placebo insgesamt 77 akute Koronarereignisse auf, davon 61 tödliche und nicht tödliche Herzinfarkte. In der Atorvastatin-Gruppe wurden dagegen nur 51 akute Koronarereignisse, davon 33 Herzinfarkte registiert. Auch die Häufigkeit der Schlaganfälle war unter Atorvastatin mit insgesamt 21 gegenüber 28 Fällen in der Placebo-Gruppe deutlich und statistisch hoch signifikant um 48 Prozentreduziert. In der Studie ergaben sich keinerlei relevante Nebenwirkungen der Statintherapie.

Ein wesentliches Ergebnis der CARDS-Studie war auch die Feststellung, dass mit der niedrig dosierten Behandlung durch Atorvastatin ein auch über die LDL-Cholesterinsenkung hinausgehender Schutzeffekt gegenüber jHerz-Kreislauf-Ereignissen erzielt wurde. Die Autoren der von John Betteridge (London) geleiteten Studie kamen zu der Schlussfolgerung, dass es bei Diabetikern keine feste untere Grenze für einen optimalen Spiegel von Gesamt- und LDL-Cholesterin gibt, sondern dass das Herz-Kreislauf-Risiko als Entscheidungskriterium für die Therapie mit dem Statin herangezogen werden sollte.
Kommentar
Während man noch bis vor wenigen Jahren Diabetiker auf Grund ihres hohen Herz-Kreislauf-Risikos von Langzeitstudien ausgeschlossen hat, kommt man nun zunehmend zu der Erkenntnis, dass gerade diese Hochrisikogruppe von einer gezielten Intervention besonders profitiert. Die CARDS-Studie zeigt eindeutig, dass eine Behandlung mit einem Statin auch bei solchen Diabetespatienten effizient ist, bei denen der Cholesterinspiegel nur leicht oder nach alten Kriterien gar nicht erhöht ist. Daher müssen sicherlich die bisher publizierten Leitlinien zum Einsatz von Statinen neu diskutiert werden. Die Frage ist tatsächlich, ob man nach den Ergebnissen der CARDS-Studie Patienten mit Typ 2 Diabetes und zusätzlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch bei Blutfettwerten im Blut eine Statintherapie vorenthalten sollte.


Prof. Dr. med. Werner. A. Scherbaum, Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz-Institut an der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Klinik

Quelle: Vortrag von Frau Prof. Hellen Colhoum (Dublin) auf dem Diabetes-Kongres der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (ADA) in Orlando

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