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REVERSAL-Studie: Cholesterinsenkung stoppt Fortschreiten der Atherosklerose

(07.06.2004) Bei der Atherosklerose, der sogenannten Gefäßverkalkung, lagern sich an und in den Gefäßinnenwänden sogenannte Plaque ab, die zu einer Gefäßverengung führen können. Bei Aufbrechen der Plaque in den Herzkranzgefäßen kann dies zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. In der Vergangenheit zeigte sich zunehmend, dass bestimmte Medikamente zur Cholesterinsenkung auch Auswirkungen auf das Fortschreiten der Atherosklerose haben können. Es handelt sich hierbei um Medikamente der Gruppe der sogenannten Statine, von denen in Deutschland fünf Substanzen unter anderem Atorvastatin und Pravastatin - zugelassen sind.


Foto: Jochen Tack, AOK-Bun-
desverband

In der kürzlich in der Fachzeitschrift der Amerikanische Medizingesellschaft (JAMA) veröffentlichten REVERSAL-Studie (doppelblinde Multicenterstudie) wurde der Frage nachgegangen, wie sich eine moderate Cholesterinsenkung mit den Statinen Pravastatin oder eine intensive Cholesterinsenkung mit Atorvastatin auf das Fortschreiten der Atherosklerose auswirken.

In die von der Firma Pfizer gesponserten U.S. amerikanische Studie wurden Patienten zum Zeitpunkt einer Herzkatheteruntersuchung aufgenommen, bei denen unter anderem der LDL-Cholesterinwert erhöht (zwischen 125 und 210 mg/dl) und mindestens ein Herzkranzgefäß bei der Herzkatheteruntersuchung verengt war.

Insgesamt wurden 654 Patienten in zwei Gruppen zufallsverteilt. Es wurden die jeweiligen Höchstdosierungen der Medikamente verglichen: Die eine Gruppe erhielt zur Cholesterinsenkung über 18 Monate (Juni 1999 bis September 2001) täglich 40 mg Pravastatin, die andere Gruppe 80 mg Atorvastatin. Zu Beginn und am Ende der Behandlungszeit wurde mittels einer Ultraschalluntersuchung in den Herzkranzgefäßen die Dicke der Plaque gemessen, die sich an der Gefäßinnenwand anlagern und ein Zeichen für die Stärke der Atherosklerose (Gefäßverkalkung) sind. Abschließend wurden 502 Patienten mit auswertbaren Ultraschalluntersuchungen in die Analyse einbezogen.

Ergebnisse:

Im Behandlungszeitraum wurde der durchschnittliche Ausgangs-LDL-Cholesterinwert von 150,2 mg/dl in der intensiv mit Atorvastatin behandelten Gruppe auf 79 mg/dl gesenkt, bei den moderat mit Pravastatin behandelten Patienten auf 110 mg/dl.
Auch das Volumen der Plaque in den Herz-Kranz-Gefäßen veränderte sich in beiden Gruppen anders: In der mit Atorvastatin behandelten Gruppe verringerten sich die zu Beginn etwas kleineren Plaques (184,4 mm3) um 0,4 Prozent, während sie in der mit Pravastatin behandelten Gruppe (194,5 mm3) um 2,7 Prozent zunahmen.
Weiterhin sank der CRP-Wert - als Zeichen für eine sich bessernde Entzündungsreaktion im Körper in der mit Atorvastatin behandelten Gruppe um 36,4 Prozent von 2,3 auf 1,8 mg/l, während er in der Pravastatin-Gruppe um 5,2 Prozent von 3,0 auf 2,9 mg/l sank.


Es zeigten sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der Cholesterinsenkung und der Plaqueentwicklung bei einer Behandlung mit den Wirkstoffen Atorvastatin und Pravastatin: Während der intensiven Behandlung mit Atorvastatin kam es zu einer wesentlich stärkeren Verbesserung der LDL-Cholesterinwerte auf weit niedrigere Werte als in Behandlungsleitlinien international gefordert. Außerdem blieben die Atherosklerose-Plaque in der Atorvastatingruppe weitgehend konstant, was gleichbedeutend mit einer Verzögerung des Fortschreitens der Atherosklerose ist, während diese bei der Behandlung mit Pravastatin fortschritt. Möglich ist aber, dass nicht die LDL-Cholesterin-Senkung durch das Statin den Rückgang der Atherosklerose beeinflusst hat, sondern dass diese durch andere Mechanismen wie zum Beispiel durch den Rückgang der Entzündungsreaktion im Körper, die durch den Rückgang des Anzeigewertes CRP deutlich wird, im Fortschreiten gestoppt wurde. Eine Entzündungsreaktion wird nämlich als Ursache für die Atherosklerose diskutiert.

Zukünftige Studien müssen also abschließend klären, welche genauen Mechanismen den verschiedenen Wirkungen der Statine zugrunde liegen und außerdem zeigen, ob die derzeit angestrebten internationalen Grenzwerte zumindest für LDL-Cholesterin (kleiner oder gleich 100 mg/dl) weiter nach unten korrigiert werden sollten und ob Statine eventuell auch vorbeugend auf die Entstehung einer Atherosklerose wirken könnten. Ein Vergleich zwischen moderater und intensiver Cholesterinsenkung mit demselben Wirkstoff wäre hier sicher vorteilhaft.

Hierzu sind die zur Zeit laufenden Studien abzuwarten, die die Auswirkungen der Statine nicht lediglich auf die Atherosklerose selbst, sondern auch auf die Todesrate und die Folgen der Atherosklerose wie Herzinfarkt und Schlaganfall untersuchen.


Dr. med. Melanie Stapperfend, Prof. Dr. med. Werner Scherbaum, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf

Quelle: Nissen SE, Tuzcu EM, Schoenhagen P, Brown BG, Ganz P, Vogel RA, Crowe T, Howard G, Cooper CJ, Brodie B, Grines CL, DeMaria AN; REVERSAL Investigators: Effect of intensive compared with moderate lipid-lowering therapy on progression of coronary atherosclerosis: a randomized controlled trial. JAMA. 2004 Mar 3;291(9):1071-10 80

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