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Der latent insulinpflichtige Diabetes mellitus im Erwachsenenalter (LADA-Diabetes)

Der LADA-Diabetes ist eine neu erkannte Kategorie des Diabetes mellitus, die dem Komplex des Typ 1 Diabetes zuzuordnen ist. In der klinischen Praxis wurde der Diabetes mellitus bisher überwiegend nach dem klinischen Bild eingeteilt.

Dabei stellt sich jedoch das Problem, dass es eine Gruppe von zunächst nicht insulinbedürftigen Diabetikern gibt, die alle übrigen Merkmale eines Typ 1-Diabetes aufweisen. Bei der Blutuntersuchung finden sich, ähnlich wie beim Typ 1-Diabetes, Antikörper im Serum und die Insulinproduktion durch die Bauchspeicheldrüse ist eingeschränkt. Bei solchen Patienten sprechen häufig Diät und Tabletten schon nach wenigen Monaten nicht mehr an (Sekundärversagen), so dass eine Insulinbehandlung erforderlich wird.


Hier eine Übersicht über diesen Artikel:


Wie erkennt man einen LADA-Diabetes?

Solche Patienten haben im Serum zytoplasmatische Inselzellantikörper (ICA) und/oder Antikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GADA). Je jünger ein Patient mit einem zunächst nicht insulinpflichtigen Diabetes, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um einen LADA handelt. In der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren liegen bis zu ein Drittel der Fälle von klinisch neu diagnostiziertem "Typ 2-Diabetes" in dieser Kategorie. Mit zunehmendem Alter bei Beginn des Diabetes wird der Anteil der LADA-Formen geringer; im Alter zwischen 54 und 65 Jahren sind es nur noch 8% der Neuerkrankungen. Insbesondere jüngere Patienten mit LADA sind meist nicht übergewichtig, wie wir dies von den typischen Typ 2-Diabetikern kennen.

Insulinsekretionsstörung beim LADA

Wenn man beim Patienten mit LADA versucht die Insulinausschüttung, z. B. durch eine Spritze mit Glucagon, zu stimulieren, so ist festzustellen, dass schon der Ausgangsspiegel von Insulin tief ist und dass sich die Hormonkonzentration im Blut auch nach Stimulation mit Glucagon kaum anheben lässt. Dies ist im deutlichen Gegensatz zum typischen Typ 2-Diabetes, bei dem ja zu Beginn der Erkrankung immer hohe Insulinspiegel vorliegen.
 

Welche therapeutischen Konsequenzen hat die Diagnose eines LADA?

Zumindest muss man bei der Diagnose eines LADA die Prognose mit dem Patienten besprechen und ihn darauf hinweisen, dass man wahrscheinlich in den nächsten Monaten bis Jahren eine Umstellung auf Insulin vornehmen muss. Die Frage ist, ob es reicht, solche Patienten zunächst mit Diät und Tabletten auf normale Blutzucker und HbA1c-Werte einzustellen, oder, ob es günstiger ist, diese Patienten von vornherein auf Insulin einzustellen. Vorläufige Daten weisen darauf hin, dass eine primäre Insulintherapie bei Patienten mit LADA dazu beiträgt, dass sich die Sekretionsleistung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse verbessert. Die Frage, ob sich die Langzeitverläufe durch die primäre Insulintherapie günstig beeinflussen lassen, kann nur durch eine kontrollierte vergleichende Langzeitstudie beantwortet werden, die wir derzeit durchführen. Mit einer sicheren Antwort kann nicht vor Ablauf von 3 bis 4 Jahren gerechnet werden.

Praktische Empfehlung

Bei allen Patienten mit einem neu manifestierten, nicht insulinpflichtigen Diabetes mellitus, zumindest im Alter zwischen 25 und 55 Jahren, sollten die zytoplasmatischen Inselzell-Antikörper (ICA) und GAD-Antikörper (GADA) im Serum bestimmt werden. Bei einem positiven Ergebnis empfiehlt sich die Messung des C-Peptid-Spiegels 6 Minuten nach Stimulation mit 1 mg Glucagon i.V. Interpretation: Bei positivem ICA und GADA, insbesondere bei höheren Titern und bei einer Einschränkung des stimulierten C-Peptids auf unter 2 ng/ml ist mit einem baldigen Versagen der Diabetestherapie mit Tabletten zu rechnen. Eine frühzeitige Insulintherapie sollte dann nicht hinausgezögert werden.


Prof. Dr. med. W.A. Scherbaum, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Klinik


Aktualisiert: Januar 2005
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